Trainingslager von Autonomen im August - Experten befürchten Auftakt zu mehr Gewalt
/HOMBERG (pcf). Linksextreme aus ganz Hessen haben im Vogelsberg den Kampf gegen Rechtsradikale und Polizisten trainiert. Wie erst jetzt bekannt wurde, übten Ende August rund 100 Autonome auf einem Zeltplatz bei Homberg. Ein solches Trainingslager hatte es noch nie zuvor gegeben. Experten rechnen nun mit mehr Gewalt von Linksextremen.
Bekannt wurde das geheime Treffen der Linksradikalen erst durch einen Bericht des Berliner "Tagesspiegel" am Mittwoch. Die Sicherheitsbehörden sprechen noch immer ungern von dem Trainingslager. Die Vogelsberger Polizeidirektion leitete eine Anfrage der OZ an das Landeskriminalamt weiter, das wiederum den Verfassungsschutz in der Verantwortung sah - und der verwies zurück auf das Landeskriminalamt. Schließlich bestätigte der Sprecher des Hessischen Landesamts für Verfassungsschutz, Werner Maystädt: "Was im `Tagesspiegel` steht, das stimmt. Es hat bei Homberg ein Camp von Autonomen gegeben, wie es in dieser Art in Hessen noch nie der Fall war."
Dem "Tagesspiegel" zufolge trafen sich die Linksextremen vom 19. bis 23. August auf dem Zeltplatz des Hessischen Pfadfinder-Verbandes bei Homberg. Abgeschirmt hinter großen Planen sei ein Zeltlager errichtet worden. Patrouillen hätten das Gelände vor Polizisten und Rechtsradikalen geschützt.
Im Lager trainierten die Autonomen dem Bericht zufolge für den Nahkampf - unter anderem mit Schlagstöcken. "Die Autonomen wandten Angriffs- und Verteidigungstechniken an, gegen die Judo nahezu kindlich wirkt", schreibt der "Tagesspiegel" ohne Angabe von Quellen.
Neben dem Gewalt-Training sei es auch um Theorie gegangen. In einer Art Zirkuszelt hätten die Linksextremen diskutiert - über "Antinationalismus, Antiglobalisierung, Antisexismus und Antirepression". Auch über Neonazis in Hessen sei gesprochen worden.
Die Sicherheitsbehörden wussten schon im August von dem Trainingslager, wie Verfassungsschutz-Sprecher Maystädt sagt. Auch der Leiter des Homberger Ordnungsamts, Markus Haumann, bestätigt: "Die Veranstaltung wurde von der Stadt bis hinauf zum Landeskriminalamt beobachtet. Man hätte jederzeit eingreifen können." Das sei jedoch nicht nötig gewesen: "Die Homberger haben von der Veranstaltung gar nichts bemerkt. Das lief alles friedlich ab." Aus Furcht vor Angriffen Rechtsextremer hätten die Behörden das Treffen nicht bekanntgemacht, sagt Haumann: "Es ist nicht unsere Aufgabe, so etwas an die große Glocke zu hängen."
Die Pfadfinder wussten im Voraus, an wen sie ihren Zeltplatz "Buchholz" vermieteten. "Wir hatten eine Buchung von linken Jugendgruppen, die offen und ehrlich gesagt haben, was sie wollen", erinnert sich Zeltplatz-Verwalter Hans-Joachim Böhm. "Man sollte so etwas nicht vorverurteilen. Wir vermieten immer wieder an Jugendgruppen und das war eben eine Jugendgruppe, die ganz bestimmte Inhalte hat." Dass die Sicherheitsbehörden das Treffen genau beobachteten, hält Böhm für übertrieben: "Die Polizei hat ein bisschen am Rad gedreht. Das ganze Treffen ist doch ordentlich abgelaufen."