Grube Malapertus soll erhalten werden
16.07.2010 - WETZLAR-NIEDERGIRMES
(rl). Bürger aus Mittelhessen setzen sich für den Erhalt der Grube Malapertus auf dem Simberg in Niedergirmes ein. Trotz Temperaturen um die 37 Grad hatten 16 Interessierte auf Einladung des Wetzlarer Historikers Karsten Porezag den Weg ins Cafe Schauinsland, nur wenige Hundert Meter vom Grubengelände entfernt, gefunden. Sie gründeten den Förderverein Grube Malapertus.
Anlass für die Gründung ist die Ankündigung von HeidelbergCement, den Standort Wetzlar zum Jahresende zu schließen. Die Vereinsmitglieder fürchten um die Zukunft der Grube. 1852 hatte die Firma Buderus das Gelände erworben. Buderus führte ab 1888 eine Untersuchung der Lagerstätte durch, auf der vor der Übernahme zeitweise Bergbau auf Brauneisenstein und Braunstein (Manganerz) stattfand. 1913 gab Buderus die Aus- und Vorrichtung der nie in Förderung gekommenen Grube vorläufig auf.
1915, im Ersten Weltkrieg, wurde wegen des damaligen Manganerzmangels erneut versucht, hier Bergbauzu betreiben, zwölf Jahre später, 1927, ebenfalls. Ende 1930 wurde der Betrieb endgültig eingestellt. Dennoch hat die Grube Malapertus noch heute Bedeutung für den Bergbau. HeidelbergCement nutzt die Anlage, um unter Tage den im Steinbruch Hermannstein geförderten Kalkstein zum Zementwerk an der Hermannsteinerstraße per Bandanlage zu fördern. Aus diesem Grund stehen noch das Bergbau-Fördergerüst über dem Maschinenschaft sowie ein betriebsfähiges Fördermaschinenhaus. Davon haben sich jetzt auch Vertreter der Bergaufsicht, des Denkmalschutzes sowie Karsten Porezag und der Werksleiter von HeidelbergCement in Wetzlar, Ulrich Tillmann, bei einem Ortstermin überzeugt.
Die Gründungsmitglieder des Fördervereins verabschiedeten eine Satzung, in der der Zweck des Vereins festgelegt wurde. Darin heißt es, der Verein setze sich durch die Pflege zur Erhaltung des ehemaligen Manganerz-Bergwerkes als Montandenkmal ein. Weitere Aufgaben seien das Vermitteln von Kenntnissen über Bergbautechnik und Kulturgeschichte des deutschen Eisenerzbergbaues durch das Errichten und Betreiben eines Bergbaumuseums auf der Grube Malapertus mit dem Ziel, die intakte Bergwerksanlage für die Nachwelt zu erhalten.
Ferner wolle der Förderverein ein historisches Archiv einrichten. Dazu bat Porezag um Fotos und Dokumente über die Geschichte des Bergbaus und der Landwirtschaft in der Region. Vor allem soll auch die Historie der Grube dokumentiert werden. Ferner rief Porezag die Bevölkerung auf, mit einem Beitritt zu dem Förderverein ihr Interesse am Erhalt der Grube zu bekunden.
In einem weiteren Passus der Satzung heißt es, der Verein habe nicht das Ziel, die Unterhaltung der Grube Malapertus zu finanzieren. Dies könne der kleine Verein nicht leisten, so Porezag, den die Gründungsmitglieder zu ihrem Vorsitzenden wählten. Vielmehr wolle der Verein mit den jeweiligen Besitzern sowie den politischen Gremien zusammenarbeiten.
Als Schriftführer wurde Achim Schönberger (Aßlar) gewählt. Kassenverwalter ist Peter Schepp. Als Beisitzer bestimmten die Mitglieder den Vorsitzenden der Interessengemeinschaft Niedergirmeser Vereine, Werner Reinhardt, und den ehemaligen Bergarbeiter Franz Gareis.
Porezag wies darauf hin, dass das Gelände unter Denkmalschutz stehe. Dazu zählten auch die Anlagen unter Tage. Bei einer Stillegung des Bergbaus sehe der Rahmenbetriebsplan die Renaturierung vor. Es gebe bereits Interessenten, die das Grubengelände verfüllen möchten.