04. Februar 2012 09:51 Uhr
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Gießener Anzeiger

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Mittelhessen  

Anwohner haben Angst, dass ihr Ort Treffpunkt für Nazis wird

18.08.2010 - WALDSOLMS-BRANDOBERNDORF

Großeinsatz der Polizei bei Konzert der Band „Kategorie C“ in Brandoberndorf

(ve). Nach einem Auftritt der Hooligan-Band „Kategorie C“ in der Brandoberndorfer Diskothek „MyStage“ wächst die Angst, dass sich der Ort zum überregional bekannten Treffpunkt für Rechtsradikale entwickelt. Die Waldsolmser Parlamentarier wollen dazu eine Resolution verabschieden. Während Disco-Pächterin Manon Rohrbach betont, dass es sich nicht um eine politische Veranstaltung gehandelt habe und es nicht zu Gewaltszenen gekommen sei, sagt Polizeisprecher Guido Rehr: „Weil wir da waren, ist nichts passiert.“

Am Samstag hatte Brandoberndorf einen Großeinsatz der Polizei erlebt. Daran beteiligt waren Einsatzkräfte aus dem Rhein-Main-Gebiet und des Polizeipräsidiums Mittelhessen sowie Bereitschaftspolizisten aus Lich. Ab 16.30 Uhr bis in die Nacht hinein kontrollierten die Polizisten Konzertbesucher sowie deren Fahrzeuge und zeigten einfach Präsenz rund um die Diskothek und den angrenzenden Bahnhof, auf dem auch zahlreiche Besucher der Veranstaltung eintrafen.

Auf die Frage, warum die Polizei ein so großes Aufgebot nach Brandoberndorf geschickt hatte, antwortete Polizeisprecher Rehr: „Uns ist sehr wohl bekannt, dass diese Band Anhänger aus dem rechten Spektrum hat und diese auch zu den Konzerten kommen.“

Zusätzlich sei man misstrauisch geworden, weil auf der Internetseite der Band nur ein Konzert „im Frankfurter Raum“ bekanntgegeben worden sei. Erst am Samstag war der Veranstaltungsort über ein Info-Telefon zu erfahren. Solche Geheimniskrämerei habe meist einen Grund: Die Veranstaltung soll ohne Polizeibesuch stattfinden. Laut Polizeisprecher Guido Rehr lief in Brandoberndorf alles problemlos ab: „Wir hatten keine Straftaten zu verzeichnen.“ Ziel sei es gewesen, „die Beeinträchtigung der Anwohner so gering als möglich zu halten.“

Während sich einige Anwohner über vollgepinkelte Vorgärten und Erbrochenes beschwert hatten, sagte ein anderer Nachbar: „Nach einem ganz normalen Discoabend mit Waldsolmser Jugendlichen hat es hier schon schlechter ausgesehen.“ Seiner Beobachtung nach habe es sich bei den Konzertbesuchern in großer Anzahl um Leute aus der Fußballszene gehandelt. „Die Polizisten sind sehr besonnen vorgegangen. Es war beruhigend für uns zu sehen, dass sie die Lage jederzeit im Griff haben“, sagte jedoch eine andere Anwohnerin. „Die Polizei hat uns die Sicherheit gegeben, die wir brauchten.“ Niemand der Anwohner habe sich angesichts der versammelten Band-Anhänger in der Nachbarschaft ab dem späteren Nachmittag noch auf die Straße getraut. Skinheads trugen T-Shirts mit Parolen wie „Kampfbereit“, betranken und prügelten sich und grölten Nazi-Parolen, schilderte ein weiterer Anwohner. Eine Die Frau erinnerte an eine „Böhse Onkelz“-Party im Dezember, nach der die Rechten mit „Sieg Heil“-Rufen durch die Straßen marschiert seien. „Leider haben wir öfter rechtes Volk hier.“ Bei der Gemeinde lägen schon zahlreiche Beschwerden vor. Passiert sei bislang nichts. Der Bürgermeister berichtet indes, dass es nach der „Böhse Onkelz“-Party zum Gespräch mit der „MyStage“-Betreiberin gekommen sei. Ein rechtsradikaler Hintergrund habe nicht festgestellt werden können, ebensowenig Verstöße gegen die Lärm- und Brandschutzvorschriften. Seitdem behalte die Polizei die Szene jedoch im Auge.

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