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Vogelsbergkreis  

Interessante Betrachtungen zur Jagd mit Pfeil und Bogen

26.02.2011 - SCHOTTEN

Veranstaltung des Schottener Forums - Vortrag von Forstdirektor Andreas Schmitt - Rückblick in die Geschichte - In anderen Ländern gängige Methode

(em). „ Zurück zu Pfeil und Bogen - jagen wie zu Urzeiten?“ Zunächst schien das Thema des Schottener Forums exotisch zu sein und zog doch über 30 Zuhörer an, unter ihnen Markus Groß (Bad Hersfeld), Präsidiumsmitglied des Deutschen Bogenjagd-Verbandes, wie auch Ingo Kuhn, der ein Geschäft mit Sportbogen betreibt. Anders als in der Bundesrepublik ist in vielen Ländern eine solche Jagdmethode gängige Praxis. Das bewies Schottens Forstamtsleiter Dr. Bernd Ott eingangs mit einem Bild des legendären, 1988 verstorbenen Amerikaners Fred Bear mit Messer und Bogen. Zugleich konnte Ott einen passionierten Jäger mit Jagderfahrung aus vielen Ländern als Referenten begrüßen: Forstdirektor Andreas Schmitt, Leiter des Forstamts Frankenberg.

Jagdgeschichte und -praxis, aber auch Überlegungen des Natur- und Tierschutzes flossen in seinen Vortrag ein. Er erinnerte an vorgeschichtliche Pfeilfunde mit Steinspitze, 11 000 Jahre alt und an einen in Dänemark gefundenen Bogen, 3 000 Jahre jünger. Von den Langbogenschützen des mittelalterlichen England war ebenso die Rede wie von der kriegerischen Kampftechnik der Indianer mittels Pfeilhagel. Ebenso streifte er die Jagdgeschichte Deutschlands und kam dann auf das bundesrepublikanische Verbot der Bogenjagd zu sprechen, begründet damit, dass nur die Feuerwaffen die durchschnittliche Mindestenergiemenge erreichten, um das Tier mit einem Minimum an Schmerz und Leid zu töten. Immerhin konnte Schmidt in seiner Power Point-Präsentation nachweisen, dass ein Geschoss mit 6,4 Newton-Sekunden fliegt, ein Pfeil es doch auf 3,4 Newton-Sekunden bringt. Schmitt: „Die Anforderungen an den Bogenschützen sind um Welten höher als an den Jäger mit Büchse.“ Er begründete dies mit der extrem kurzen Distanz zum Tier, die nicht größer als 30 Meter sein darf.

Sehr detailliert ging er dann auf die Bedingungen für das erlegte Tier ein. Rasch und kaum schmerzhaft tödlich sei entweder ein Lungentreffer mit ein- oder beidseitigem Kollaps der Flügel oder ein Kammertreffer ins Herz, beides führe innerhalb von acht bis 15 Sekunden zum Kollaps mit Todesfolge. Anschaulich demonstrierte er dies mit Aufnahmen einer Jagd in Namibia.

Schmitt kam dann auf geeignete Waffen zu sprechen, nannte Compund-, Recurve-, Long Distance-Bögen und Armbrust. Äußerst eindrucksvoll waren Pfeilschüsse mit dem Compoundbogen am Ende des Vortrags. Über eine Distanz von etwa zehn Metern traf ein Pfeil so tief in eine Hartfaserplatte, dass er nur mit erheblichem Kraftaufwand herausgezogen werden konnte.

Insbesondere auf eine sehr differenzierte Studie aus Dänemark stützte sich Schmitt bei seinem Schlaglicht auf die Vorzüge der Bogenjagd. So berichtete er über eine so erlegte Rehstrecke mit 134 Stück. Nur fünf Tiere waren verfehlt worden. Schmitt fasste die Vorteile der Bogenjagd zusammen: anders als bei Kugeln oder Schrot kaum Verunreinigung der Wunde, keine Quetschungen und Prellungen, bei nur gestreiften Tieren keine Infektion oder Blutvergiftung, keine zerschossenen Knochen. Die Lautlosigkeit der Bogenjagd mindere die Beunruhigung, den Jagddruck auch auf die begleitenden Rudel, reduziere die Umweltbelastung.

Also Bogenjagd als die ideale Bejagungsmethode in einem dicht besiedelten Land wie der Bundesrepublik? Sehr realistisch schränkte Schmitt dies ein. Die nahe Distanz zum Wild, die hohe Spezialisierung der Jagdmethode ermögliche doch nur eine sehr begrenzte Strecke - zu wenig, um in Deutschland, wo kaum natürliche Feinde das Wild dezimierten, die Wildpopulation in einer für das Ökosystem verträglichen Größe zu halten. Schmitts theoretisch wie praktisch fundierter Vortrag schloss mit dem, was längst zum Markenzeichen des Schottener Forums geworden ist: dem angeregten Gespräch unter Forst-, Naturschutz- und Jagdpraktikern.

Referent  Andreas Schmitt in Aktion.	Foto: Maresch

Referent Andreas Schmitt in Aktion. Foto: MareschVergrößern

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