Ernst A. Bloemers las zur Weihnacht im Kirtorfer Museum - Mit "Klangfarben Kirtorf"
(gsi). Auf Weihnachten stimmten sich am Montagabend die Gäste im Kirtorfer Museum ein, als Helmut Mess, Vorsitzender des Heimatvereins Stadt Kirtorf, sie zur fünften weihnachtlichen Lesung mit Ernst A. Bloemers begrüßte. Der Kirtorfer Chor "Klangfarben" unter der Leitung von Christine Krapp eröffnete den weihnachtlichen Reigen sogleich mit zwei vielstimmigen und schwungvollen Weihnachtsliedern - eine nicht alltägliche Auswahl weihnachtlicher Stücke.
Traditionsgemäß begann Ernst A. Bloemers seine Lesung zur Weihnacht mit einer Geschichte aus Kriegstagen, der Geschichte von einer "Weihnachtskantate", die deutsche Kriegsgefangene im Jahr 1944 in den USA einstudiert hatten. Handgeschrieben war sie von einem Mitgefangenen, voller Heimweh war sie, voller Verlassenheit und Sehnsucht nach Frieden und nach Zuhause, das weit, weit weg war.
Von Kindheitserinnerungen an das besondere Licht zur Weihnachtszeit erzählte die Geschichte "Es ist Advent" mit einer stimmungsvollen Beschreibung der winterlichen Natur. Auch eine Geschichte von Heinrich Böll hatte Bloemers bei seiner diesjährigen Weihnachtsauswahl mitgebracht: "Die Kunde von Bethlehem", eine schöne, kurze Erzählung über einen jungen Mann, der voller Skepsis den Stall in Bethlehem aufsucht, denn er hatte von den Hirten wundersame Dinge gehört. Doch sucht er nicht die heilige Familie, sondern Josef, den Tischler, der in seiner Herberge eine Tür reparieren soll.
Ein "Mausgrauer" - ein Engel vielleicht? - hält Joseph davon ab mitzugehen, denn die Zeit ist gekommen, dass sie verschwinden müssen aus Bethlehem, die Soldaten ziehen schon ein. Das "Wiegenlied der Mutter Gottes von Lopez de Vega, ein liebevoller Text voller Hoffnung und Glaube, folgte, danach ein wunderschönes Weihnachtsgedicht von Juan Ramón Jiménez. Eine witzige Weihnachtslegende hatte Bloemers ausgesucht, die Geschichte eines Esels, der eigentlich keine Lust hat, Maria und ihr Kind samt Gepäck nach Ägypten zu bringen.
Die amüsierten Zuhörer erfuhren, was "I-Ah" heißt ("So wahr ich ein Esel bin" nämlich) und wie ein Esel die Hände, äh, die Ohren faltet. "Das Wehen himmlischer Flügel" - eine realistische Weihnachtsgeschichte aus armen Zeiten, erzählte mit wunderschönen Bildern eine ganz außergewöhnliche Handlung, bevor die Sängerinnen und Sänger der "Klangfarben" mit einer ungewöhnlichen Mischung aus "Oh Tannenbaum" und "Oh du fröhliche" sowie einer schönen Interpretation von "Mary´s Boychild" die verschiedenen Farben ihrer Klänge eindrucksvoll präsentierten.
Eine wunderbare Geschichte von zwei Adventskalendern gefiel vielen Gästen besonders gut, erzählte der Autor doch davon, was er sieht, wenn er die Rückseite des einen Kalenders entfernt und diesen an sein Fenster zur Straße klebt. Durch die Papierfensterchen entdeckt er einen Müllwagen, Kinder mit Schultaschen, streitende Ehepaare, zufriedene Menschen und traurige - "ein kleines Stück der ganz gewöhnlichen Welt da draußen". Sehr witzig war die bekanntere Geschichte über den "doppelten Weihnachtsmann" von Paul Maar genauso wie eine Glosse des amerikanischen Journalisten Art Buchwald, die sich mit einer ungeahnten Eskalation des weihnachtlichen Geschenketerrors befasste.