Regen,Wind und unklare Ausgaben
30.08.2010 - ALSFELD
Alsfelder Feuerwehr übte für einen Unfall mit Gefahrgut
(jc). Ein Gefahrgutunfall auf dem Betriebsgelände einer Spedition im Industriegebiet Altenburg wurde bei der Übung der Feuerwehr Alsfeld am Sonntagmorgen angenommen. Die Wetterlage und die benachbarte Werkstatt für Behinderte riefen zum Gefahrguteinsatz. Den 43 Einsatzkräften und elf Einsatzfahrzeugen wurde bei der Übung eine schwierige Herausforderung gestellt.
Das Szenario sah vor, dass oberhalb von Altenburg ein Tanklastzug mit Gefahrgut leck geschlagen war, von dem man nicht weiß, was er geladen hat. So meldete sich im Übungsszenario ein Mitarbeiter einer Spedition am Sonntagmorgen gegen 10 Uhr bei der Leitstelle. Ein kurzer Blick auf die Landkarte und Wetterkarte veranlasste die Leitstelle einen Gefahrgutunfall anzunehmen. Unverzüglich wird die Feuerwehr Alsfeld mit dem Kennwort Gefahrgutunfall alarmiert.
Die Lage vor Ort erwies sich sehr komplex. Regnerisches Wetter, Wind aus Nordwest wehte die Gase in Richtung Behindertenwerkstatt, in welcher sich Personen befanden. Glücklicherweise war das hier geplante Grillfest in das Innere des Gebäude verlegt worden. Sofort ordnet Einsatzleiter Carsten Schmidt an, dass alle Personen im Gebäude bleiben und Fenster sowie Türen geschlossen halten sollen. Für ihn galt es nun, die Schadenursache genauer zu analysieren. Hierzu beauftragte er über Funk Einsatzleiter Gefahrgut Mathias Schlitt, den Stoff heraus zu finden, welcher das Problem verursacht. Die Sicherheitsdatenblätter und die Stofftafel am Tanker waren widersprüchlich, wie es auch in der Realität sein kann. Der Erkundungstrupp unter Atemschutz meldete, dass eine Rohrleitung unterhalb des Aufliegers durch einen Stapler beschädigt ist und an zwei Stellen eine Flüssigkeit austritt.
Bei einem derart umfangreichen Szenario wird die Organisation an der Einsatzstelle in vier Bereiche aufgeteilt. Sicherheit, um Schaulustige zu schützen, innere Organisation, um den wirkungsvollsten Einsatz der Einsatzkräfte sicherzustellen, Kommunikation, als Schaltzentrale des Einsatzes, Logistik, schafft alles heran, was benötigt wird. Ausrüstung der Einsatzkräfte mit Chemie-Schutzanzügen, Einrichtung eines Dekontaminationsplatzes, logistische Unterstützung der Einsatzkräfte, weiträumige Absicherung des Schadenszenarios sind weitere Etappen in einem solchen Fall. Der Einsatzleiter delegierte über Funk alle erforderlichen Maßnahmen. Sehr rasch kommt man an die Kapazitätsgrenzen der Einsatzkräfte, so Schmidt, wenn man die Organisation von Beginn an nicht straff führt.
In der Zwischenzeit wurde durch telefonische Abfrage beim Hersteller geklärt, um welchen Gefahrenstoff es sich handelt. Eine Phenylchlorlösung, welche Gefahr für die Gesundheit und die Umwelt darstellt. Also waren alle getroffenen Massnahmen bisher richtig. Nun konnte mit der Sicherung der Lecks begonnen werden. Das wiederum erfordert ein Höchstmaß an Schutzausrüstung, den Chemie-Schutzanzug.
Ralf Braun ist einer der Träger. Neben der persönlichen Fitness benötigt der speziell ausgebildete Feuerwehrmann einige Sonderausbildungen, wie er nach dem Einsatz schweißgebadet schildert. Nach etwa 30 Minuten Einsatz ist die Atemluftflasche leer und man fühlt sich wie durchs Wasser gezogen, was glaubwürdig erscheint, da ihm die Strapazen ins Gesicht geschrieben standen. „Heute war es noch erträglich, da keine Sonne den Schutzanzug aufheizte in welchem schnell Saunatemperaturen herschen können.“ Die Logistikabteilung organisierte in der Zwischenzeit größere Sammelbehälter sogenannte IBCs, um die Flüssigkeit aus den untergestellten Wannen zu sichern.
Der Gefahrguteinsatz gehört für die Feuerwehr zu den schwierigen Szenarien, weil nicht nur ein hohes Risikopotenzial für die Einsatzkräfte und die Bevölkerung besteht, besonders benötigt man in einem solchen Fall jede Menge Einsatzkräfte, um das Umfeld zu gestalten. Die Gefahrguteinsätze dauern meist sehr lange über mehrere Stunden.