Spürhund Amy und eine versteckte Schildkröte im Koffer
04.09.2010 - ALSFELD
Frankfurter Zollbeamte stellten ihre Arbeit am Flughafen in der Brüder-Grimm-Schule nach
(gsi). „Aufgeregt, neugierig und super gespannt“ - so beschrieb Schulleiterin Claudia Janich die Stimmung ihrer Schüler und Lehrkräfte an der Alsfelder Brüder-Grimm-Schule, denn es hatte sich ein besonderer Besuch angesagt: eine Abordnung des Frankfurter Hauptzollamtes stellte die aufregende Arbeit am Frankfurter Flughafen vor und mitgebracht hatten Dieter Keller, Tobias Groß und Yvonne Schamber nicht nur zahlreiche Koffer, sondern auch den Spürhund Amy.
Dessen Aufgabe ist es, in Gepäck und Poststücken versteckte Tiere oder aus geschützten Tieren hergestellte Souvenirs ausfindig zu machen, denn, so Hundelehrer Keller, „in die Koffer können wir nicht hineinsehen, ein Hund aber hineinriechen“.
Gemeinsam mit ihrem vierbeinigen Kollegen Uno ist Schäferhündin Amy seit Sommer 2008 im Frankfurter Flughafen im Einsatz. Etwa 3000 bis 4000 Gepäckstücke kann sie während einer gemeinsamen Acht-Stunden-Schicht mit ihrem Hundeführer Tobias Groß kontrollieren. Welch teilweise grausigen und makabren Funde die Zollhündin dabei macht, zeigten die Beamten an einigen Beispielen: ein zu einer Rassel verarbeitetes Gürteltier, eine in Alkohol eingelegte Kobra, eine aus einem ganzen Krokodil gearbeitete Handtasche oder einen Hocker aus dem Fuß eines Elefanten.
Den gespannten Schülern erklärte Dieter Keller genau, wie Amy trainiert wird, wie sie mit ihrem Hundeführer in dessen Familie lebt und dass sie eigentlich doch ein „ganz normaler Hund“ ist. Dass das nicht ganz der Wahrheit entspricht, wurde schnell klar, als Amy aus einer ganzen Reihe von Koffern tatsächlich genau den heraussuchte, in dem Keller vorher ein Souvenir versteckt hatte. Spannend wurde es, als Schulleiterin Claudia Janich ihre eigene, lebende Schildkröte in einen der Koffer packte. Kein Problem für Amy, die das kleine Tier schnell entdeckte, so dass es wieder befreit werden konnte.
Im vergangenen Jahr wurden auf diese Art knapp 12 000 durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen geschützte Tiere in Frankfurt sichergestellt, darunter 4000 lebende. Eine unglaubliche Zahl, die deutlich macht, wie groß das wirtschaftliche Interesse von Schmugglern sein muss: „Neben Drogen und Waffen sind bedrohte Arten das lukrativste Schmuggelgeschäft weltweit“, erklärte denn auch Pressesprecherin Yvonne Schamber. Mit Geldstrafen von bis zu 50 000 Euro oder Gefängnis bis zu fünf Jahren können Täter in schweren Fällen bestraft werden. Kontrolliert werden besonders Einreisende aus Australien und Ländern aus Südostasien oder Südamerika, erklärten die Beamten.
Dass Amy auch imstande ist, fliehende Täter zu verfolgen und zu stellen, zeigten Keller und Groß in einer eindrucksvollen Darbietung. Doch nicht nur Artenschutzspürhunde gibt es am Frankfurter Flughafen: von den insgesamt 33 Hunden suchen die meisten nach Rauschgift, andere nach Sprengstoff, Waffen und sogar nach Bargeld. Viele Fragen der Schüler und Lehrer konnten die drei Zollbeamten beantworten, bevor Amy sich noch geduldig von den Kindern streicheln ließ.
„Eigentlich kommen die Schulklassen ja immer zu uns“, erklärte Yvonne Schamber, da es für die Schüler der Brüder-Grimm-Schule aber nicht so einfach ist, mal eben nach Frankfurt zu fahren, kamen die drei gemeinsam mit Amy eben nach Alsfeld. Für die Schüler und Lehrkräfte hatten sie so einen eindrucksvollen Schultag gestaltet.