Von Frank Oliver Docter
In den Bildungsstreik an der Justus-Liebig-Universität (JLU) ist nach einer längeren Phase der Verhandlungen zwischen Hochschulleitung und Studierenden wieder mehr Bewegung gekommen. Während sich beide Seiten in Pressemitteilungen optimistisch hinsichtlich der Umsetzung der in der "Gießener Erklärung", dem Forderungskatalog der Streikenden, enthaltenen Verbesserungswünsche in vielen Studienfächern äußerten, wurden im Gegenzug einige Hausbesetzungen beendet. Damit ist dort wieder ein ordnungsgemäßer Lehrbetrieb möglich. Dafür ist seit Montagmorgen der Kugelberg, wo sich die Einrichtungen der Sportwissenschaft befinden, komplett besetzt.
"Die Verhandlungskommission der Studierenden zeigt sich zuversichtlich, dass mit den Ergebnissen der ersten Runde auch weiterhin ein positiver Prozess angestoßen werden kann. Die wichtigsten Kritikpunkte wurden seitens des Präsidiums nicht bestritten", teilen die Streikenden mit. Aus dem JLU-Präsidium verlautete, dass "die Anregungen und Kritikpunkte der Studierenden im Hinblick auf die modularisierten Studiengänge nun zügig und umfassend in die zuständigen und gewählten Gremien eingebracht werden". Demnach solle die "Weiterentwicklung der Modularisierung II" auf zentraler Ebene von einer Monitoring-Gruppe begleitet werden, an der auch Studierende mitwirken sollten. "Dieser Prozess wird bereits am 15. Dezember in der Senatskommission Studiengänge initiiert werden", schreibt der designierte Unipräsident Prof. Joybrato Mukherjee in einer Rundmail an alle Studierenden, Lehrenden und Mitarbeiter der JLU.
Auf studentischer Seite wird positiv hervorgehoben, dass außer vielen prozesshaften Lösungsstrategien zur Reform der Studiengänge auch einiges in Problembereichen wie Anwesenheitslisten und Barrierefreiheit sowie beim Themenfeld Praktikum und der grundsätzlichen Flexibilisierung der Leistungsanerkennung ausgehandelt werden konnte. Letztlich erhofft man sich davon künftig eine geringere Prüfungsbelastung. Viele Reformschritte müssen allerdings durch die Fachbereiche geleistet werden, da diese die Ordnungen für die einzelnen Studiengänge regeln. Daher verständigten sich beide Seiten darauf, nun eine Rückkehr zu einem ordnungsgemäßen Lehrbetrieb für alle Studierenden einzuleiten und den Prozess der "Entsetzung", also der Freigabe der besetzten Häuser, in dieser Woche fortzusetzen.
Auf der Grundlage dieser Verständigung sind die meisten Gebäude im Philosophikum I und II wieder zugänglich. So sind im Phil I Haus C und der Hörsaal A01 offen, während im Phil II das Haus A mit dem dortigen Audimax freigegeben wurde und die anderen Gebäude bis auf das weiterhin besetzte Haus D spätestens heute für Lehrveranstaltungen wieder geöffnet werden. Die Vertreter der streikenden Studentenschaft machten dem Präsidium gegenüber jedoch klar, dass man wieder zu "aktiven und streitbaren Streikhandlungen" zurückkehren werde, sollte die Reform des Bologna-Prozesses in den nächsten Monaten an der JLU nicht deutlich vorangebracht werden.