Chemiedozententagung an JLU beschäftigt sich auch mit Nachwuchsproblemen
09.03.2010 - GIESSEN
(fod). Das Wissen in den Köpfen der Menschen ist das größte Kapital, mit dem das sonst an natürlichen Ressourcen arme Deutschland wuchern kann. Das gilt nicht zuletzt auch für die Chemie. Doch sind kompetente Hochschullehrer gefragt, die das Wissen an den Nachwuchs weitergeben. An der Justus-Liebig-Universität (JLU) treffen sich daher noch bis 10.März rund 360 Experten von Universitäten aus ganz Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland zur alljährlichen Chemiedozententagung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh).
Austausch mit gleichaltrigen und erfahreneren Kollegen
Ausgerichtet wird sie von der Fachgruppe Chemie der JLU sowie von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Universitätsprofessoren für Chemie (ADUC). Drei Tage lang bekommt der Hochschullehrernachwuchs Gelegenheit, sich und seine Arbeiten gleichaltrigen und erfahreneren Kollegen vorzustellen. Was in dieser Form für die jungen Leute, die durchweg eine Professorenlaufbahn mit dazugehörigen Lehraufgaben anstreben, bei großen Tagungen kaum möglich ist. „Dort haben meist die älteren Hasen das Sagen“, weiß Prof. Jürgen Janek, Leiter des Physikalisch-Chemischen Instituts der JLU, der sich die Tagungsleitung mit Prof. Peter R. Schreiner, Geschäftsführer des Instituts für Organische Chemie, teilt. Die Veranstaltung ist somit die einzige, bei der der Dozentennachwuchs im Mittelpunkt steht.
Dazu gehört auch der Gießener Dr. Torsten Brezesinski, der mit seinen erst 30 Jahren bereits fest in den Lehrbetrieb des Physikalisch-Chemischen Instituts mit eingebunden ist und derzeit habilitiert. Für seine bisherigen Arbeiten wurde er nun mit dem ADUC-Jahrespreis bedacht und stellte danach sein Thema in einem Kurzvortrag vor, wie auch Dr. Nicolai Cramer (Zürich) und Dr. Martin Wilkening (Hannover). Während die drei eine hoffnungsvolle Zukunft der Chemiedidaktik verkörpern, ist dieses Tätigkeitsgebiet sonst eher ein Sorgenkind.
Dauerstelle meist erst mit 40 Jahren
„In der Chemiedidaktik gibt es nicht genügend Nachwuchs“, berichtet Jürgen Janek. Das Problem sieht er auch darin, dass es nur knapp 1000 Chemie-Professuren an deutschen Universitäten gibt und die meisten Anwärter im Durchschnitt „erst mit 40 Jahren eine Dauerstelle bekommen“. Das erschwert die Lebensplanung natürlich sehr – noch dazu, wenn angehende Dozentinnen und Dozenten eine Familie gründen möchten.
Fachlich repräsentieren die Beiträge der Tagung die gesamte Breite des Wissenschaftsgebietes, von den grundlegenden Disziplinen der organischen, anorganischen und physikalischen Chemie bis hin zur Polymerchemie, Biochemie und vielfältigen interdisziplinären Forschungsfeldern, wie etwa den in der Gießener Chemie in den vergangenen Jahren für einen enormen Aufwind sorgenden neuen Fachdisziplinen Materialwissenschaft und Lebensmittelchemie. Daneben geht es in den Vorträgen auch um die richtige Form der Wissensvermittlung, denn die Erfahrung an Hochschulen zeigt, dass Studienanfänger nur allzu häufig mit mangelhaften Chemie-Kenntnissen aus den Schulen entlassen werden.
Vortrag von Prof. Bernd Ralle am 10. März
Einer der Höhepunkte des Tagungsprogramms wird der Vortrag „Die Welt da draußen und der Chemieunterricht – Chemielernen im Kontext authentischer Fragestellungen“ sein, den am Mittwoch, 10. März, um 8.30 Uhr der renommierte Chemiedidaktiker Prof. Bernd Ralle von der Technischen Universität Dortmund im Wilhelm-Hanle-Hörsaal am Heinrich-Buff-Ring 14 hält.