04. Februar 2012 08:45 Uhr
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Gießener Anzeiger

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Hochschule 

„Ein hohes Maß an Barrierefreiheit gewährleisten“

11.05.2010

Blindenzentrum der FH erhält Förderbescheid über 1,4 Millionen Euro für Entwicklung eines elektronischen Lernportals für behinderte Studierende

GIESSEN (fod). Für Studierende mit Behinderungen und chronischen Krankheiten tun sich an Hochschulen noch immer hohe Hürden auf: fehlende behindertengerechte Arbeitsplätze und Lernmaterialien sowie der zugenommene Druck aufgrund des strikten Zeitplans in den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen lassen viele scheitern. Am Zentrum für blinde und sehbehinderte Studierende (Bliz) der Fachhochschule (FH) Gießen-Friedberg fiel gestern der Startschuss für ein viereinhalb Jahre laufendes Forschungsprojekt zum Aufbau des Hessischen elektronischen Lernportals für Behinderte (H-elb).

Damit wolle man „Menschen mit eingeschränkten Körperfunktionen den Studienalltag erleichtern und ein hohes Maß an Barrierefreiheit gewährleisten“, sagte Projekt- und Bliz-Leiterin Prof. Erdmuthe Meyer zu Bexten, bevor sie vor über 150 Gästen von der hessischen Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann den Förderbescheid über 1,4 Millionen Euro überreicht bekam.

Die Ministerin attestierte FH und Blindenzentrum eine „Vorreiterrolle“ bei der Entwicklung eines solchen Online-Portals, „das einmal an allen Hochschulen zum Einsatz kommen kann“. Laut Meyer zu Bexten solle jeder Nutzer über eine an seine individuelle Behinderung angepasste Bildschirmoberfläche ortsunabhängig Zugriff auf Fachliteratur oder Datenbanken haben. Darüber hinaus werden schriftliche und mündliche Prüfungen möglich sein. Dafür wird ein spezieller Augenscanner entwickelt, der während der Prüfung eingeschaltet ist. „Wenn jemand zu viel in andere Richtungen schaut, müssen wir davon ausgehen, dass geschummelt wird“, machte sie anhand eines Beispiels die enormen Möglichkeiten des Portals deutlich. 1998 zunächst nur als Zentrum für blinde und sehbehinderte Studierende gegründet, werden in der an deutschen Fachhochschulen bislang einzigartigen Einrichtung von der Leiterin und ihrem zwanzig Mitarbeiter zählenden Team - darunter 80 Prozent selbst Schwerbehinderte - Studenten mit den unterschiedlichsten Handicaps betreut.

„Etwa jeder zwölfte Studierende ist körperlich eingeschränkt und jeder 60. weist eine extreme gesundheitliche Einschränkung auf“, berichtete Meyer zu Bexten. Hinzu komme eine hohe Dunkelziffer an jungen Menschen mit Epilepsie, Diabetes oder anderen Erkrankungen. Ihnen allen möchten die FH und ihre Kooperationspartner, wozu die Justus-Liebig-Universität sowie Robert-Koch- und Paul-Ehrlich-Institut gehören, nun besser helfen. Über die Einwerbung der hohen Fördersumme, von der das Ministerium mehr als die Hälfte des Geldes zur Verfügung stellt der restliche Betrag stammt vom Bundesgesundheitsministerium, der Bundesagentur für Arbeit, vom Landeswohlfahrtsverband Hessen und dem hessischen Innenministerium - freute sich auch Prof. Günther Grabatin, der Präsident der Fachhochschule. „In vielen Fällen wird durch das Zentrum und die dortigen modernen technischen Hilfsmittel Behinderten überhaupt erst ein Studium ermöglicht“, betonte er. Dieser Erfolg zeige zudem, dass sich die FH bei ihren Forschungsanstrengungen „in die richtige Richtung bewegt“.

Weitere Gratulantin war Gießens Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz. „Die Menschen sind nicht behindert, sondern sie werden behindert“, stellte sie fest. „Mit dem Projekt geht von Gießen das Signal aus, diese Barrieren zu überwinden“, sagte sie.

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