04. Februar 2012 08:16 Uhr
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Gießener Anzeiger

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Hochschule 

Sommerfest der JLU auf Schloss Rauischholzhausen lockt rund 300 Gäste an

28.06.2010 - GIESSEN

RAUISCHHOLZHAUSEN (hh). Die Tanzmuffel hatten bis Mittwochabend wohl gehofft, die Tanzfreunde ganz sicher gebangt. Denn erst mit Deutschlands Sieg gegen Ghana stand fest, dass nicht die Großbildleinwand, sondern die große Freifläche vor der Band „Soundmix“ im Mittelpunkt des Sommerfestes der Justus-Liebig-Universität (JLU) stehen wird. Und gleich zur Begrüßung im malerischen Hof von Schloss Rauischholzhausen verriet Unipräsident Joybrato Mukherjee, dass die Hochschule diese Fügung keineswegs allein dem mal berühmten, mal berüchtigten Fußballgott zu verdanken hat.

„Mit einem besonderen Posten im Budget haben wir dafür gesorgt, dass Deutschland erst am Sonntag spielt“, versicherte der 36-Jährige augenzwinkernd. Um die leidenschaftlichen Kickerfreunde gleich zu beruhigen: Per „Public Viewing“ konnten die nämlich im „Weißen Saal“ dennoch beobachten, wie die Westafrikaner und die US-Amerikaner 120 Minuten lang hinter dem Ball herliefen. Doch bis zum Anpfiff blieb den rund 300 Gästen dann doch reichlich Zeit zum Plaudern und Essen, Schauen und Feiern. Das Wetter spielte ohnehin mit bei der bereits traditionellen Veranstaltung, zu der Universität und Hochschulgesellschaft stets gemeinsam einladen. „Auch im vergangenen Jahr hatten wir das schönste Wochenende ausgewählt“, freute sich Mukherjee. Doch das war keineswegs die einzige Parallele der beiden Sommerfeste. Damals nämlich stand vier Tage nach dem Zusammentreffen die Wahl des neuen JLU-Präsidenten auf dem Programm, und diesmal wird vier Tage nach dem Tanzspaß ein neuer Bundespräsident gewählt. „Natürlich ist das ein ganz anderer Kontext“, betonte Mukherjee. Doch das mit Spannung erwartete Ergebnis verbindet beide Entscheidungen. Dabei verkniff sich der Unipräsident den Hinweis auf eine weitere Parallele: Zu beiden Wahlen nämlich hat er eine ganz persönliche Beziehung. Bei der ersten war er Kandidat (und Sieger) und bei der zweiten darf er als Wahlmann mitentscheiden (und hofft ohne Zweifel, dann selbst für den Gewinner gestimmt zu haben). Obendrein war der Anglist bei beiden Festivitäten seiner Zeit eindeutig voraus, kündigte er doch das Sommerfestfeuerwerk bei beiden Gelegenheiten als „Silvesterfeuerwerk“ an.

Mukherjee erinnerte aber auch daran, dass im vergangenen Jahr sein Vorgänger Prof. Stefan Hormuth wegen seiner schweren Erkrankung an dem Sommerfest, das dieser viele Jahre als Präsident eröffnet hatte, nicht teilnehmen konnte. Und er gedachte nochmals des 60-Jährigen, der im Februar verstorben ist. Damals war überlegt worden, die Veranstaltung ausfallen zu lassen. „Doch es war der ausdrückliche Wunsch von Präsident Hormuth, dass das Sommerfest stattfindet.“ Und auch diesmal wurde - angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen durch den umstrittenen Hochschulpakt - über eine Absage nachgedacht. Aber gerade angesichts der Erfolge der JLU beim hessischen Forschungsförderungsprogramm Loewe und bei der Bewilligung von drei Sonderforschungsbereichen durch die DFG müsse es auch eine Zeit zum Feiern geben. Und natürlich zum Tanzen. Ohne dabei jedoch die Weltmeisterschaft aus dem Blick zu verlieren. Denn schon gleich nach den romantischen Liedern und Opernduetten, die Nicole Tamburro und Michaela Wehrum - begleitet von Angelika Schmid-Haase am Klavier - unter dem Motto „Auf den Flügeln des Gesangs“ vorstellten, machte die Nachricht von Ghanas Führung die Runde im Schlosspark. Und damit etwas später der Literaturwissenschaftler Prof. Uwe Wirth ganz ungestört von Torgebrüll seine Überlegungen zur „Bedeutung von Essen für unser Leben“ präsentieren konnte, versicherte Mitorganisator Oliver Behnecke sogleich: „Ghana führt ganz sicher noch. Glaube ich.“ Für das bereits abgeräumte Vorspeisenbüffet kam da allerdings der Tipp des Philosophen Friedrich Nietzsche zu spät. Der hatte nämlich festgestellt: „Die länglichen Eier sind die wohlschmeckenderen.“ Dafür konnte jedoch unter „gastrosophischer Betrachtung“ der Niedergang der Familie Buddenbrook deutlich erhellt werden. Daran nämlich scheint das Essen keineswegs unbeteiligt zu sein. Und das manifestiert sich im „Plettenpudding“. Wirth zeigte dabei anhand des Romans von Thomas Mann auf, dass das „Tiramisù des Nordens“ den Abschluss eines ausführlich beschriebenen Mahls zu erfolgreichen Zeiten der Lübecker Kaufmannsfamilie darstellte. Bei einem Weihnachtsessen - 600 Seiten und 50 Jahre später - wurde die geschichtete Nachspeise aus Makronen, Himbeeren, Biskuit und Eiercreme durch Eis-Baiser ersetzt. „Das zeigt die Kälte in der Familie“ und wohl auch die Ursache für Zerfall und Untergang, fasste er die eigenwilligen literaturwissenschaftlichen Forschungen zusammen. Und da „ein exzellentes Essen als Amuse-Gueule (also Appetithäppchen) jeder Exzellenzinitiative“ gelten kann, gab es zugleich für jeden Gast einen echten Plettenpudding. Und anschließend die Erkenntnis, dass die USA per Elfmeter längst den Ausgleich erzielt hatten. Die Verlängerung lockte dann zusehends tanzfreudige Fußballfans in den Keller zu den fußballbegeisterten Tanzmuffeln. Und mehrheitlich beklatschten die rund 50 Public Viewer den erneuten Führungstreffer der Mannen um Kevin-Prince Boateng, der da bereits verletzt das Spielfeld verlassen hatte. Und dann wurde es richtig spannend. Denn ein möglicher Ausgleich samt Elfmeterschießen und Feuerwerk im Schlosspark waren zeitlich keinesfalls zu vereinbaren.

Spektakel nach Schlusspfiff

Ob diesmal allein der böllerliebende Fußballgott oder erneut ein besonderer Posten im Budget für die perfekte Abstimmung gesorgt haben, ließ sich nicht vollständig klären. Aber nur wenige Sekunden vor dem Abpfiff schoss die erste Rakete gen Himmel und schickte glitzernden Sternenstaub zurück zum Schlosspark. Als sich die Ghanaer dann ohne Ausgleichstor glücklich in den Armen lagen, ging es draußen richtig los. Fast so, als ob das von der Hochschulgesellschaft finanzierte Leuchtspektakel eigens zu Ehren des zweiten Viertelfinalisten der Fußballweltmeisterschaft organisiert und mit „Achs“ und „Ohs“ bestaunt wurde. Danach wurde dann fast nur noch und ausgiebig getanzt. Übrigens auch zu afrikanischen Rhythmen. Und natürlich gab es - vor allem in der Kellerdisco - dazu Musik aus den Vereinigten Staaten zu hören.

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