„Ich kann’s kaum glauben, von nun an Tag für Tag urlauben“
22.06.2010 - BEUERN
Dekan Rolf Klingmann verabschiedet sich mit gereimter Predigt in den Ruhestand - Gottesdienst in Beuern, anschließend Feier im Kulturzentrum
(dis). Für rund eine Woche ist Rolf Klingmann nun noch Pfarrer. Aus seinem Amt als Kirchberger Dekan verabschiedeten Kollegen und Besucher den zukünftigen Ruheständler am Sonntag bei einem feierlichen Gottesdienst in der Beuerner Kirche. Nicht nur das von Daniela Werner geleitete „Collegium Vocale“, sondern auch der von Pfarrer Friedhelm Schäfer geleitete Posaunenchor, der den Einzug des Dekans und seiner Kollegen begleitete, waren zum Verabschiedungsgottesdienst gekommen. Ganze elf Kollegen aus dem Dekanat sowie Propst Matthias Schmidt und der Gießener Dekan Frank-Tilo Becher beteiligten sich an dem Gottesdienst.
„Manchmal kann ich’s selbst kaum glauben, von nun an Tag für Tag urlauben“, hatte Klingmann seine Predigt, die er komplett gereimt hielt, begonnen. Bevor er jedoch zurückblickte, ließ der Pfarrer es sich nicht nehmen, auch auf die politische und wirtschaftliche Lage des Landes einzugehen. Seine Kritik galt sowohl der „Spekulantenmeute“, die ihre Freiheit frech ausgenutzt habe, als auch der Politik, die zwar den Strick bereithalte „um Transaktionen zu bezähmen“, jedoch: „ob was geschieht? - Es ist zum Schämen“.
Großen Applaus erhielt Klingmann am Ende seiner teils nachdenklichen, teils witzigen und Hoffnung spendenden Predigt. Nachdem der Chor „Collegium Vocale“ von Leiterin Daniela Werner am Klavier begleitet „Te deum“ gesungen hatte, hielt Propst Schmidt seine Ansprache. Zum ersten habe Jesus, der auf dem Weg nach Jericho mit seinen Gegnern grundlegende Gespräche über die Religion führte, bei diesen Gesprächen niemals den einzelnen Menschen aus dem Blick verloren. Diese Eigenschaft lobte der Propst auch bei Klingmann. Von der Einzelperson habe Jesus allerdings auch wieder den Bogen zur Gemeinschaft gespannt. Auch Klingmann habe immer wieder auf die Gemeinsamkeit gesetzt. Drittens lobte der Propst, dass Klingmann - wie der Tross um Jesus - immer offen für Außenstehende gewesen sei und gleichzeitig immer die Kontur der Kirche gehalten habe. Nach dem Segensgebet entpflichtete der Propst den Dekan. Zusätzliche Segensworte sprachen der stellvertretende Dekan Dieter Sandori und der Gießener Dekan Becher.
Auch die Kirche müsse sich ihrer Verantwortung stellen und sich fragen: „Was müsst ihr tun, was könnt ihr lassen, wenn leerer werden eure Kassen?“, hatte Klingmann in seiner Predigt betont. Auf Dekanatsebene kritisierte der Pfarrer die Fusionsbestrebungen, die in Kirchberg durch eine Arbeitsgemeinschaft mit Grünberg und Hungen vermieden werden konnten. Dennoch fielen ihm die nötigen Stellenstreichungen nicht leicht. Trotz der besorgniserregenden Politik und Finanzlage vertraut Klingmann allerdings auf Besserung, denn: „Wenn wir im Glauben Zukunft wagen, dann brauchen wir nicht zu verzagen.“
Dass Klingmann die Gemeinde wichtig war, hatte sein Stellvertreter Sandori gewürdigt. Präses Anette Vogel dankte dem scheidenden Dekan für seinen langjährigen Dienst. Die Fürbitte gegen Ende des Gottesdienstes sprachen Sandori und Vogel gemeinsam mit Dekanatsjugendreferentin Carola Geck, dem berufenen Mitglied der Dekanatssynode Florian Rinn, der Sekretärin im Dekanatsbüro, Sigrid Fink, Annerods Kirchenvorsteher Achim Glaum sowie Antje Knoob-Röhrsheim aus der Mitarbeitervertretung. An der Liturgie hatten sich zusätzlich die Mitglieder des Dekanatssynodalvorstandes, Silvia Schulz-Otto und Roland Meuschke, sowie Prädikantin Inge Schmidt beteiligt.
Im Anschluss feierten Besucher sowie Kollegen und Weggefährten Klingmanns gemeinsam bei einem Imbiss im Busecker Kulturzentrum. Dr. Angela Stender, die die Fachstelle für gesellschaftliche Verantwortung im Dekanat innehat, trat als Kolumnistin „Anna“ auf. Ein eigens zu diesem Anlass gebildeter Pfarrerchor sorgte mit umgeschriebenen Texten zu Reinhard Meys „Ich bin Pfarrer von Beruf“ sowie dem irischen Segen „Möge die Straße“ und „Die güldene Sonne“ sowie Geschenken für ein breites Lächeln auf dem Gesicht des sichtlich bewegten Pfarrers. Mit einem kurzen Auftritt des Musikers Erwin Heyer klang der Abend aus.