Beeindruckende Zeugnisse über Leid und Schrecken
28.08.2012 - LICH/HUNGEN
Neben „Leichenkeller“ auch weitere aufwühlende Texte und Gedanken von Hungener Schülern über Besuch im KZ Buchenwald
(kjg). „. . . und ihr Leiden endet hier“. Mit diesen Worten geht das Gedicht „Leichenkeller“, das Schüler der Gesamtschule Hungen nach ihrem Besuch im Konzentrationslager (KZ) Buchenwald in einem Gedichtband namens „Buchenwald“ aufgeschrieben haben, zu Ende. Das kleine Büchlein enthält beeindruckende Zeugnisse, aufwühlende Texte und Gedanken der Schüler zu einem Ort „unglaublichen Leidens und Schreckens“.
Im Archiv des KZ haben sie an einer Dokumentation von Opfern gearbeitet. Dabei lernten sie das Schicksal eines Hungener Bürgers kennen: Salomon Wiesenfeld. Er wurde wie viele andere Juden in das KZ Buchenwald gebracht. Dort wurde er erschlagen. Laut offiziellem Dokument der Nazis lautet die Todesursache aber Herzversagen. Die Familie bekam eine Rechnung über die Einäscherung, die Urne und die Kosten. Schwer vorstellbar, aber dennoch wahr.
Jetzt wurde das Büchlein im Kulturzentrum Bezalel-Synagoge in Lich vorgestellt. Zwei der Autoren, Svenja Geißler und Niklas Rautschka, die Lehrer Eva Kaufmann und Hubert Wiesenbach, die das Projekt begleitet haben, und Katharina Lorber vom Vorstand der Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftung Lich gaben zudem einige erläuternde Worte zu dem Gedichtband ab.
Im November vergangenen Jahres haben zwölf Zehntklässler im Rahmen einer projektorientierten Unterrichtseinheit die KZ-Gedenkstätte Buchenwald besucht und drei Tage in der Begegnungsstätte gewohnt. Sie wollten durch den Aufenthalt vor Ort die Geschichte des KZ ergründen. Die Schüler haben mit den Archäologen zusammen an der Restaurierung und Sanierung der Fundamente des ehemaligen Krankenhauses gearbeitet, um diese vor dem Zerfall zu bewahren. Sie wurden von pädagogischen Mitarbeitern der Begegnungsstätte betreut. Dort erlebten sie, was vor sieben Jahrzehnten im KZ geschah. Wie Niklas bei der Vorstellung berichtete, war er sehr beeindruckt von der Unmenschlichkeit, mit der die SS vorgegangen ist, und wie man die Toten am Ende noch ihrer Würde beraubt hat. Er sagte, die Familien hätten einen Brief mit Sterbegrund, Kosten und Rechnung für die Asche bekommen. In der Urne wäre immer die Asche verschiedener Toter gewesen, weil im Verbrennungsofen die Asche der Einzelnen nicht getrennt worden wäre. So wären am Ende diese Menschen noch ihrer Würde beraubt worden.
Zu verstehen, wie solche Taten passieren konnten, war für seine Mitschülerin Svenja sehr schwierig. Wie sie berichtete, sei es anstrengend gewesen, sich vorzustellen, wie es damals war. Sie habe einen Ort gebraucht, um zur Ruhe zu kommen. Einige Wochen nach ihrem Aufenthalt haben die Schüler sich an einem schulfreien Tag getroffen, ihre Fotos gesichtet, diskutiert und gemeinsam die Texte erstellt. Die Chambré-Stiftung hat die Erstellung des Büchleins unterstützt. Der Gedichtband kann in der Schreibwarenhandlung Hungen, der Gesamtschule Hungen, im Licher Kino Traumstern, in der Bücherkiste Lich und in der Bezalel-Synagoge in Lich zum Preis von fünf Euro erworben werden.