Archäologische Führung über die Baustelle in Hungener Innenstadt - Wasserrinne erhalten
(ivi). Das Angebot, die Ausgrabungen in der Untertorstraße den Bürgern nahe zu bringen, fand große Resonanz. 210 Interessierte ließen sich in Gruppen aufgeteilt, in die Vergangenheit Hungens entführen. Darunter auch viele Besucher aus den Stadtteilen. Die Archäologin, Franka Schwellnus verstand es, voller Lebendigkeit die freigelegten Reste der alten Bebauung zu erläutern.
Die Lage des alten Stadttores war schon seit längerem bekannt. Dagegen wurden die Denkmalpfleger schon am Anfang der Untertorstraße von Mauerresten überrascht, die sie dort nicht vermutet hatten. Die Lage parallel der Straße deutet darauf hin, dass man damals dem Stadttor noch eine Bastion als zusätzliche Sicherheit gebaut hat.
Basalttreppen gefundenGut erkennbar und nachvollziehbar sind die Mauerstücke rund um das Stadttor von dem nur die eine Fundamentseite freigelegt wurde, die andere dürfte bereits im Bereich des Bürgersteigs liegen. Deutlich ist auf dem Sockel der Eindruck des Pfostens sichtbar. Eine Wasserrinne vor dem Tor ist gut erhalten. Ob es sich dabei um einen Frischwasser- oder Abwasserkanal handelt muss durch die Höhenberechnung der Fließrichtung noch geklärt werden. Vor dem Tor ist eine tief liegende Pflasterung der Straße deutlich erkennbar. Es muss davon ausgegangen werden, dass Treppen zu den Hauseingängen führten. Material ist Basalt, der in der Umgebung reichlich vorhanden war.
Die Bauzeit des Stadttores wird mit der Verleihung der Stadtrechte 1361 vermutet. Die Bastion wurde dagegen erst später, als mit dem Dreißigjährigen Krieg das Schutzbedürfnis größer wurde, errichtet. Die freigelegten Stücke werden alle fotografisch dokumentiert, erklärte die Archäologin.
Besondere Mauerstücke sind im Maßstab 1:20 gezeichnet. An sonstigen Funden sind es vorwiegend Bruchstücke von Tongegenständen. "Leider keine Münzen", bedauerte Franka Schwellnus. In diesem Bereich sind die Grabungen praktisch abgeschlossen, so dass die Arbeiten für die eigentliche Kanalverlegung im ersten Bauabschnitt beginnen können. Neugierig ist das Archäologenteam unter Leitung von Katharina Mohnike, ob sich im weiteren Verlauf der Baustelle in Richtung Obertorstraße noch neue Geheimnisse unter der Straßendecke auftun.