Laienspiel führt ins 17. Jahrhundert: Klein Bürgermeister - Gerhard Dörmer Ehrenkanonier
(tk). Auch in diesem Jahr waren der Historische Markt und das Altstadtfest trotz des wechselhaften Wetters ein Besuchermagnet. Ein Höhepunkt war ohne Zweifel das Historische Laienspiel mit dem Titel: „Das Birklarer Besäufnis zu Lich anno 1610“, das die „Kirchplatzgaukler“ am Samstagabend vor dem Rathaus aufführten.
Eröffnet wurde die Vorstellung mit Jagdhornsignalen des Jagdvereins „Hubertus“ Gießen. Die Bühne sicherten die Schützen des Kleinkaliber Schützenvereins Lich in historischen Gewändern ab. Das Stück bezieht sich auf eine historische Begebenheit aus dem Jahr 1610. Einige Bauern aus Birklar, unter ihnen Georg Eller, hielten ein Trinkgelage ab und verpassten so den Toresschluss. Um nach Hause zu Weib und Vieh zu kommen, weckten sie den Bürgermeister Conrad Mauß, der sie aus dem Untertor ließ. Ein Vergehen, das nicht ungeahndet bleiben sollte. Hätte er doch den Wachtmeister seiner Herrschaft, des Grafen Ernst den II. zu Solms-Lich hinzuziehen müssen. Außer sich vor Wut verurteilte der Adelige Mauß zu 50 Gulden Strafe, die dieser nicht bezahlen konnte. So musste dieser, bis seine Frau das Geld beschafft hatte, ins Verlies. Der Vorfall ist in dem Gerichtsprotokoll zum „Licher Torschlüsselstreit von 1640“ verbürgt. Die teils stadtbekannten Schauspieler, unter ihnen Bürgermeister Bernd Klein als Mauß, wussten die Zuschauer mit ihrem humorvollen und engagierten Spiel zu begeistern. Gerhard Pappe war für die künstlerische Gestaltung der Aufführung verantwortlich und bekam von Klein zum Dank ein Präsent überreicht.
Im Anschluss eskortierten die Schützen die Schauspieler in den Schlosspark, wo diese an der Ernennung des diesjährigen Ehrenkanoniers teilnahmen. Mit Salutschüssen aus Kanonen und Handböllern wurde Gerhard Dörmer für seine Verdienste um die Stadt Lich von dem Ehrenvorsitzenden Hermann Soffel in den Stand des Ehrenkanoniers erhoben.
Traditionell gab es auch wieder einen Fassanstich vor dem Rathaus. Die Licher Brauerei hatte den „kühlen Gerstensaft“ gespendet. Klein und die Vertreter der Brauerei brachten das „kühle Nass“ unter die Leute. Des Weiteren waren wieder viele Licher Vereine, Institutionen und Geschäfte mit Ständen in der Altstadt vertreten. Auch die Partnergemeinden Vänersborg, Tatat, Budakeszi und Dieulefit stellten sich vor und verköstigten die Besucher mit landestypischen Spezialitäten.
Wie es sich für einen historischen Markt gehört, konnten die Besucher Bogenmacher und Scherenschleifer bei ihrer Arbeit beobachten.“
Außerdem wurde den Besuchern ein vielfältiges, buntes Programm geboten. Unter anderem spielte der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Muschenheim auf, der TV 1860 Lich war mit Darbietungen vertreten und die Freiwillige Feuerwehr Lich stellte historische Löschgeräte aus. Der sechste Mittelaltermarkt des „Kriegerclans zu Lich“ war auf dem Festplatz zu bestaunen.
Die Besucher konnten hier die Atmosphäre eines mittelalterlichen Zeltlagers erleben. Bei Schwertkämpfen, einem Hexenprozess und einer (fast) echten Wirtshausschlägerei fühlte man sich in vergangene Zeiten zurückversetzt. Zur „Erquickung des Volkes“ gab es „mittelalterliche Leckereien.