04. Februar 2012 09:07 Uhr
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Gießener Anzeiger

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Lollar 

Ministerium nimmt Casa Reha Lollar unter die Lupe

08.04.2010 - LOLLAR

Fall von Dehydrierung im Fernsehen angeprangert - Hintergrund: Missstände in Frankfurter Heim des Konzerns - Begutachtung in den kommenden Tagen

(sl/ae). Das Casa-Reha-Seniorenheim in Lollar bekommt Besuch von der Aufsicht. Die ist eigentlich im Regierungspräsidium angesiedelt. In diesem Fall hat aber das Wiesbadener Gesundheitsministerium die Zuständigkeit selbst übernommen. Dessen Sprecherin Gesa Krüger gestern auf Anfrage: "Casa Reha Lollar wird intensiv begutachtet. Der Besuch wird in den nächsten Tagen stattfinden." Grund ist, dass die Dehydrierung einer 80-Jährigen dort übersehen worden sein soll.

Die alte Dame war von ihrer Tochter zu einer nur einwöchigen Kurzzeitpflege in die Einrichtung gebracht worden. Anschließend habe man die Mutter aber sofort ins Krankenhaus bringen müssen, weil sie viel zu wenig getrunken habe und völlig ausgetrocknet gewesen sein soll, berichtete die Frau im hessischen Rundfunk. Nach Angaben der Ministeriumssprecherin nimmt man den Fall so ernst, weil es auch andernorts Beschwerden über Casa Reha gibt. Der überregional operierende Konzern betreibt bundesweit nach eigenen Angaben 53 Heime. Krüger: "Das fußt auf großen Missständen in Frankfurt, wo wir die Schließung eines Heimes androhen und die Staatsanwaltschaft eingeschaltet ist."

Das führte offenbar schon zu einem vorläufigen Verbot, weitere Bewohner aufzunehmen. Ein Vorwurf dort lautet, dass Bewohner unnötig gewindelt werden, weil zu wenig Personal für Toilettengänge bereit stehe. Auch würden Bewohner angeschrien. Die Beschwerdeführerin in dem Lollarer Fall von Dehydrierung stellte nicht nur fest, dass die Bewohner ihre Getränke lediglich gebracht bekommen und eine Kontrolle oder gar Hilfe beim Trinken nicht stattfinde. Sie erklärte auch die Bewohner in Lollar hätten morgendliche Medikamente nicht um 8 Uhr, sondern erst um 11 Uhr bekommen. Im Wiesbadener Gesundheitsministerium stellte Gesa Krüger zu Casa Reha Lollar allerdings auch fest: "Bisher war dieses Heim noch nicht auffällig."

Ungewöhnlich für Lollarer Verhältnisse scheint allerdings, dass man vor Ort keine Auskunft bekommt. Heimleiterin Isolde Arbter-Metz ist bereits seit Januar krank und der Vertreter nicht zu erreichen. Auch sonst steht niemand zur Verfügung. Stattdessen hat die Oberurseler Konzernleitung durch Unternehmenssprecher Ralf Krenzin eine "Antwort auf Ihre Anfrage" geschickt, die der Anzeiger gar nicht gestellt hatte. Darin heißt es zu dem Fall in Lollar: "Eine Prüfung ergab, dass die genannte pflegebedürftige Person zur Kurzzeitpflege vom 23. Januar 2010 bis 2. Februar 2010 in der Einrichtung Lollar war. Ursprünglich war der Aufenthalt nur bis zum 31. Januar 2010 vorgesehen, wurde an diesem Tag auf Bitten der Angehörigen aber bis zum 2. Februar 2010 verlängert."

Der Sohn der alten Dame in der Kurzzeitpflege habe seine Beschwerde am 2. Februar gegenüber der Pflegedienstleitung der Einrichtung geäußert. Weiter heißt es in der Erklärung: "In einem persönlichen Gespräch wurde ihm folgender Sachverhalt erläutert, der schon damals die Vorwürfe entkräftet hat: Die Medikamente sind nachweislich pünktlich verabreicht worden. Ein Medikament war täglich am Vormittag um 8 Uhr und um 11 Uhr zu geben. Dies ist nachweislich erfolgt. Das vom Angehörigen um 11 Uhr vorgefundene Medikament war tatsächlich die Medikation für 11 Uhr. Ärztlich war der Bewohnerin eine Flüssigkeitsmenge von 1,3 Litern täglich verordnet worden. Dies hängt mit ihrem Krankheitsbild und den verschriebenen Medikamenten zusammen. Der Sohn wünschte sich für seine Mutter eine Flüssigkeitsaufnahme von 2,0 Litern bis 2,5 Litern. Er zeigte kein Verständnis, dass die Pflege sich an die ärztliche Verordnung halten muss. Die verschriebene Flüssigkeitsmenge wurde von einer zweiten Ärztin bestätigt. Die hessische Heimaufsicht als zuständige Aufsichtsbehörde wurde durch uns über den Sachverhalt bereits informiert."

Nach Angaben aus dem Wiesbadener Gesundheitsministerium "bisher noch nicht auffällig" gewesen: das Heim von Casa Reha im Grünen Weg in Lollar. Bild: SchererVergrößern

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