Goethe-Vers immer noch Klassiker in Poesiealben
04.05.2010 - POHLHEIM
Kleinode voller Lebensratschläge aus den Jahren 1896 bis 1987 im Ausstellungsraum der Heimatstube in Watzenborn-Steinberg zu sehen
(ger). Das Poesie-Album mit dem bisher ältesten Eintrag vom 3. August 1896 übergab noch während der Eröffnung der Ausstellung "Poesiealben im Wandel der Zeit" der Watzenborn-Steinberger Klaus Herrmann in der Pohlheimer Heimatstube. Birgit Kolmer und Hannelore Schmandt vom Heimatstuben-Team der Heimatvereinigung Schiffenberg Ortsverein Watzenborn-Steinberg freuten sich über dieses und weitere Kleinode mit Versen und Bildern, die sie in den vergangenen Wochen von Pohlheimer Bürgern für die Ausstellung erhielten. Seit Samstag, 1. Mai, sind nun bis Ende Mai jeden Sonntag von 15 bis 17 Uhr 32 Beispiele aus der Welt der Poesie-Alben aus den Jahren von 1896 bis 1987, mit ihren persönlich gereimten, hübsch ummalten und bebilderten Zitaten und Versen im großen Ausstellungsraum zu sehen.
Unverändert und damit zeitlos standen damals, wie heute die Wünsche und tugendhaften Lebensratschläge des Schreibers an den Albenbesitzer für Lebensglück in mehr oder weniger gelungener Reimform im Mittelpunkt. Der Goethe-Vers "Edel sei der Mensch, hilfreich und gut" war über alle Zeiten einer der meistgeschriebenen Zitate-Klassiker, wie Birgit Kolmer auch bei der Sichtung der Pohlheimer Poesie-Alben beobachteten konnte. Gereimtes zu Liebe und Leben der deutschen Dichter Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller waren dabei schon immer beliebt, wie später auch die Sprüche von Heinz Erhardt.
Birgit Kolmer hat bei der Sichtung und Zusammenstellung der Poesiealben einige weitere interessante Feststellungen gemacht.
Brauch seit 400 JahrenIm 16. Jahrhundert entstand zunächst die Tradition, den Ahnen einen Spruch in das Stammbuch zu schreiben, stellte sie bei Nachforschungen fest. Danach entwickelte sich im 19. Jahrhundert der Brauch in literarischen Zirkeln fort, zunächst in der Erwachsenenwelt.
Das Poesie-Alben-Fieber erfasste dann aber auch die jüngeren Jahrgänge im Alter von überwiegend 9 bis 11 Jahren. Die Einträge veränderten sich im Lauf der Zeiten, vor allem in Kriegs- und Notzeiten. So wurden im Nationalsozialismus die Sprüche heroischer, wie Kolmer feststellte. Aus dem "Kriegsjahr 1943" ist aber auch in der Ausstellung zu lesen: "Wenn dich die Stürme des Lebens umtoben,so richte vertraulich den Blick nach oben zu dem himmlischen Vater, der da spricht: ,Rufe mich an, ich verlasse dich nicht.´" In Stalingrad hatte die Hitler-Armee gerade die erste große Niederlage erlebt, das Kriegsblatt wendete sich gegen Deutschland.
In der Nachkriegszeit dominierten die Bibelverse, mit einer besonderen Sehnsucht nach Frieden und Gottvertrauen. Dann wurden auch die Seiten der kleinen Büchlein wieder bunt bemalt, aber auch Scherenschnitte waren oft zu sehen. Damals wie heute steht der Spruch rechts und links findet sich ein Bild oder eine Zeichnung. Lediglich die Schriftart wechselte allmählich von der heute für die Jugend schwer lesbaren Sütterlin-Schrift in die bis heute gültige lateinische Schriftweise.
In den 70er Jahren waren immer öfter die Helden aus Comics, TV und Sport im Bild zu sehen. Eine Lebensweisheit in einem Album der 70er-Jahre wurde neben einem selbst gezeichneten Fußballer beim Torschuss dokumentiert: "Merke dir in jedem Fall, gleich dem Huhn im Hühnerstall, bist du noch so froh bewegt, gackre erst wenn´s Ei gelegt."