Klaus Herrmann stellte altes Poesiealbum zur Verfügung
31.05.2010 - WATZENBORN-STEINBERG
Margot Schmidt konnte von 79 Bildern 45 erraten - Ausstellung letztmalig am 3. Juni zu sehen - Modernes Freundschaftsbuch
(mbe). Dichtes Gedränge herrschte am Sonntagnachmittag in der Heimatstube in der Ludwigstraße. Riesengroß war nämlich das Interesse an den von Birgit Kolmer und Hannelore Schmandt von der Fachgruppe Heimatstube des Ortsvereins Watzenborn-Steinberg der Heimatvereinigung Schiffenberg zusammengetragenen Exponaten einer Ausstellung von Poesiealben. Gleichzeitig gab es noch alte Bilder und alte Märchen- und Kinderbücher zu bestaunen. Nach dem offiziellen Ende der Ausstellung kann sie nach Vereinbarung an Fronleichnam, 3. Juni, letztmalig angeschaut werden (Kontakt: Hannelore Schmandt, 06403/690466, oder Birgit Kolmer, 06403/67264).
79 Personen konnten auf Bildern erraten werden. Margot Schmidt belegte mit 45 erratenen den ersten Rang. Gerda Häuser konnte 36 und Hilde Burger 34 Personen erraten. „Das Poesiealbum im Wandel der Zeit“, so war die Ausstellung überschrieben und mit über 40, von der Bevölkerung als Leihgaben zur Verfügung gestellter Alben, wurde ein breites Spektrum aus über 120 Jahren vorgestellt. Das älteste Exemplar hatte Klaus Herrmann aus Watzenborn-Steinberg zur Verfügung gestellt. Aus dem Jahr 1887 stammt dieses und ist damit eine Rarität. Von Traute Daschke stammt das zweitälteste Poesiealbum aus dem Jahr 1896. Die meisten sind in den Jahren 1948 bis 1970 entstanden. Beeindruckt waren viele Gäste von der gestochenen Sütterlinschrift, den liebevoll geschriebenen Texten sowie den feinen Zeichnungen. Festgestellt wurde aber auch, dass wohl die Zeit für solch aufwendige Gestaltungen nach dem Krieg abnahm. Die Menschen hatten wahrscheinlich anderes zu tun. Dafür wurden nach dem Zweiten Weltkrieg „Gott, Glaube und Zuversicht“ sehr häufig in den Texten und Erinnerungen gefunden. Das konnte für spätere Zeiten wiederum nicht mehr beobachtet werden, führte Birgit Kolmer im Gespräch aus.
Die Formen aber wandelten sich. Das klassische Poesiealbum, so wurde festgestellt, gibt es nicht mehr. Es wurde abgelöst durch das heutige Freundschaftsbuch. Da ist schon vieles vorgegeben, nur wenig Text muss ausgefüllt werden. Große Gestaltungsmöglichkeiten gibt es da nicht mehr.
Nicht mehr so wie früher: Was eine Schreiberin am 1. Januar 1927 bewegte, ist dennoch vielleicht auch in unserer heutigen Zeit die Lebenserfahrung mancher Zeitgenossen: „Das Leben ist eine Hühnerleiter, man kommt vor lauter Dreck nicht weiter.“