Donnerstag, 02. September 2010 20:25 Uhr
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Gießener Anzeiger

Wettenberg 

Zwei Epitaphe für 12000 Euro ersteigert

17.11.2009 - KROFDORF-GLEIBERG

Pfarrer Schaaf hofft nun auf Spenden aus der Bevölkerung

(viw). "Historisch sind die beiden Gemälde nun endlich wieder da, wo sie hingehören!", freuten sich gestern Nachmittag Pfarrer Christoph Schaaf, Kirchmeister Jochen Klatt und der ehrenamtliche Gemeindearchivar und Lokalhistoriker Manfred Schmidt von der evangelischen Kirchengemeinde Krofdorf-Gleiberg über einen ganz besonderen Neuerwerb.

Auf der Inventarversteigerung des Hofguts Schmitte in Rodheim erhielt die Gemeinde den Zuschlag für zwei so genannte Epitaphe (der Anzeiger berichtete), die einst in der Krofdorfer Margarethenkirche hingen. 12000 Euro waren die kunsthistorisch wertvollen Objekte, die etwa 400 Jahre alt sind, den Kirchenvertretern wert. Die Werke kamen im Zusammenhang mit der um 1840 begonnenen Umgestaltung der Krofdorfer Kirche nach Rodheim auf die Schmitte. 2006 entdeckte Manfred Schmidt die prächtigen Kunstwerke gemeinsam mit seinem Sohn Andreas zufällig auf dem Hofgut. Die Kosten sollen nun über Spenden finanziert werden.

Manfred Schmidt zeigte sich überglücklich: "Es ist für uns eine ganz tolle Geschichte, die Begräbniskultur der damaligen Zeit in unserer Region anhand dieser bedeutsamen Bilder zu dokumentieren und damit auch einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen!" Die Kirchenbücher der Krofdorfer Kirche beginnen erst 1629, "die Bilder datieren früher", weiß der Lokalhistoriker. Dennoch kann er auf eine schriftliche Notiz verweisen: "Friedrich Kilian Abicht erwähnte 1836 die zwei Gemälde in der `Crofdorfer` Kirche und beschreibt das Größere aus dem Jahre 1621 `zum Andenken eines Rentmeisters Kolb zu Gleiberg und seiner Ehegattin A.E. Hell von Weilburg, welches sich durch seine Schönheit auszeichnet`." Das Epitaph gilt Barthel Kolb, von 1606 bis 1621 Rentmeister zu Gleiberg, gestorben zu Gleiberg am 14. März 1621, und seiner Frau Anna Elisabeth Hell, gestorben am 24. Mai 1634 zu Weilburg.

Das zweite, kleinere Bild ist ein Epitaph für die Familie des Hans Gottfried Stümmel, es wurde vermutlich nach 1602 angefertigt und stammt höchstwahrscheinlich auch aus der evangelischen Margarethenkirche Krofdorf. Das Bild wurde 1880 auf Hof Schmitte, so besagt eine Schrift auf seiner Rückseite, von Adrian van der Hoop restauriert. Die Familie Stümmel besaß in Krofdorf einen Hof mit Erbbegräbnis, der sich vermutlich da befand wo heute die Sparkasse steht. Vorfahren von Manfred Schmidt kauften das Anwesen.

Nachdem Manfred Schmidt wusste, wo die Bilder lagerten, schrieb Christoph Schaaf 2007 nach dem Tod der Herrin auf Hof Schmitte, Freifrau Dorothea van der Hoop, Briefe an die SPD-Bundestagsabgeordnete Helga Lopez und die Bürgermeister der zuständigen Gemeinden mit der Bitte sich für die Rückführung der Bilder einzusetzen. Die Gemälde wurden jedoch nicht aus dem Gesamtnachlass abgezweigt. Als die Versteigerung anstand, ging alles ganz schnell: Schaaf, Schmidt und Klatt waren sich einig: "Wir müssen auf jeden Fall versuchen, die Bilder zu bekommen!" Einige Personen aus dem Umkreis der Kirche und des Ortes versprachen, mit Spenden den Kauf zu unterstützen. "Auch der Wettenberger Bürgermeister Gerhard Schmidt stand hinter uns", so die stolzen Käufer. Aufregend wurde es, als sich herausstellte, dass holländische Bieter den Preis in die Höhe trieben, denn ursprünglich waren etwa 8000 Euro als Mindestgebot veranschlagt. "Da war es uns zwischenzeitlich etwas mulmig!"

Nun soll bald der Landesdenkmalpfleger die beiden Schmuckstücke begutachten und entscheiden, ob eine Restauration vorgenommen werden muss: Eines der Bilder hat schon leichte Schimmelwölkchen angesetzt.

Die Kosten, die das Budget der evangelischen Kirche Krofdorf-Gleiberg bei weitem übersteigen, sollen ausschließlich über Spendengelder gedeckt werden. "Wir sind zuversichtlich, dass das klappt", sagt Christoph Schaaf. Die Kontoverbindung lautet: Kirchengemeinde Krofdorf-Gleiberg, Stichwort: "Stiftung Epitaphe", Volksbank Mittelhessen, BLZ 513 90 000, Konto 46318200 oder Sparkasse Wetzlar, BLZ 51550035, Konto 10030906. Telefonische Auskunft unter 0641/ 83210.



Stichwort Epitaph kommt aus dem griechischen und bedeutet "das auf dem Grab Befindliche". Es ist eine Grabinschrift oder ein Denkmal zum Gedenken an einen Verstorbenen.

Die Epitaphe wurden von Christoph Schaaf mit Tochter Hanna, Jochen Platt und "Finder" Manfred Schmidt präsentiert (v. l.). Bild: Wilhelm


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