Gespenstische Stille! Gießener Musikkneipe „Monkeys“ etabliert mit „Kopfhörerparty“ innovatives Fetenkonzept
11.06.2011 - GIESSEN
(sgl). „Ich komm’ mir so beknackt vor!“ Diese Äußerung einer Besucherin am Mittwochabend im Gießener „Monkeys“ blieb keine Ausnahme. Erstaunt und verdutzt waren Besucher und Organisatoren über das, was sie bei „Gießens erster Kopfhörerparty“ erlebten. Kein Wunder: Im „Monkeys“ blieb es über Stunden gespenstisch still. Zwar drehten dort gleich vier Discjockeys für alle gut sichtbar an den Reglern, zu hören waren aber zunächst kein Mucks.
Die Besucher - zunächst verhalten - tummelten sich erwartungsvoll auf dem Sofa, an Stehtischen oder in Ecken, wer sich unterhalten wollte, konnte dies ganz disco-untypisch in völlig normaler Lautstärke. Und genau das ist das Ziel der „leisen Disco“: Die Besucher bekommen Funkkopfhörer, die DJs spielen ihre Musik über zwei Kanäle direkt auf die Ohren - oder an den Hals, wenn man den Kopfhörer mal eben verrückt oder sich unterhalten will. Die Lautstärke der Musik bestimmt man via Regler an den Kopfhörern selbst, und auch bei der Musik hat man die Qual der Wahl.
Im „Monkeys“ konnte man den Abend über gleich vier unterschiedliche Stile genießen. Zwar sehen die derzeitigen Kopfhörer, die zumeist über eine Firma in Steinburg verliehen werden, zwei Kanäle vor, die DJs wechselten sich aber in Blöcken ab. Während man auf Kanal 1 entweder Indie und Rock mit DJ Demian oder Elektroswing und Balkanbeats mit DJ Muttermilch auf die Ohren bekam, bot auf Kanal 2 Coach D. deutschen Hip-Hop oder Ill’ Kamil sorgte mit Funk und Soul für echtes Discofeeling. Die Crux dabei für die DJs ist, dass sie nicht genau wissen, wer überhaupt die gespielte Musik hört: Kann gut sein, dass man sich gerade selbst bespaßt und niemand sonst auf dem eigenen Kanal ist. Man hört ja eben nicht, was die Gäste gerade hören. Genau da fängt der Spaß einer „Kopfhörerparty“ an. Man kann zum Beispiel die anderen Gäste beobachten und anhand des Tanzstils versuchen zu erraten, auf welchen Kanal sie ihre Kopfhörer eingestellt haben. Das Partykonzept ist neu, und so waren am Mittwoch die Besucher zunächst verhalten. Den Ausruf: „Das ist irgendwie komisch!“ hörte man anfangs nicht nur einmal. Aber wenn erst alle in ihrem Element sind, beginnt das Mitsingen: querbeet zu allen Stilen, oftmals sehr schief und oft auch grölend laut, hört man als Außenstehender bröckchenweise, welche Titel gerade gespielt werden - das „Songquiz“ von „Deutschland sucht den Superstar“ lässt grüßen. Klar, dass es sich DJ Demian alias Christian Wagner, der die Idee zur Party hatte, nicht nehmen lässt, „klassische“ Mitgrölnummern wie Sportfreunde Stillers „Ein Kompliment“ oder „Smells like Teen Spirit“ von Nirvana herauszuhauen.
„Wir machen das zum ersten Mal, natürlich müssen wir schauen, wie es angenommen wird“, hatte „Monkeys“-Geschäftsführer Marian Radovcic noch am Anfang des Abends gesagt, „die Leute müssen sich schon drauf einlassen“. Dass sie das tun, war spätestens gegen Mitternacht klar, und für Ideengeber und Resident-DJ Chris Wagner steht fest: „Das machen wir jetzt öfter! Wenn dir die Leute sagen, das sei der beste Abend ihres Lebens gewesen, kann es ja nur gut gewesen sein“.