Dekanatskantorin Marina Sagorski führt Bachs rekonstruierte Markus-Passion auf
23.02.2012 - GIESSEN
(red). In der Gießener Petruskirche stellt sich die neue Dekanatskantorin Marina Sagorski mit ihrem ersten großen Konzert an der neuen Wirkungsstätte vor. Sie wird am 17. März um 19.30 Uhr die in der Region erstmals zu hörende Markus-Passion von Johann Sebastian Bach zusammen mit renommierten Solisten, dem Main-Barock-Orchester und der Petruskantorei aufführen.
Als Gesangssolisten wirken Tanya Aspelmeier (Sopran), Jana Frey (Alt), Knut Schoch (Evangelist/Tenor) und Daniel Ochoa (Jesus/Bass) mit. Die anspruchsvolle Aufführung ist auch deshalb ein besonderes Ereignis im Gießener Kulturleben, weil Marina Sagorski bei ihrer Premiere eine Rekonstruktion dieser Passionsmusik von Bach in Gießen zu Gehör bringt.
Im Zentrum der Passionsmusiken stehen traditionell die Matthäus- und die Johannes-Passion des großen Meisters. Sie wurden mehrmals auch in der Petruskirche aufgeführt. Bach hat wahrscheinlich drei weitere Passionsmusiken komponiert. Sie gelten als verschollen. Die Markus-Passion lässt sich jedoch aus verschiedenen Gründen rekonstruieren. Sie ist geradezu ein Experimentierfeld für Musikwissenschaftler und Kirchenmusiker.
Das Textbuch der 1731 in Leipzig uraufgeführten Markus-Passion ist vollständig erhalten. Belegt ist zudem, dass Bach hier Originalkompositionen mit angepassten Teilen vorangegangener Kantaten und einer Trauerode verbunden hat. Eingangs- und Schlusschor sowie viele Choräle und einige Arien sind erhalten oder aus anderen Werken Bachs erschließbar. Verloren gegangen sind dagegen vor allem Volkschöre („turbae“) und alle Rezitative. Frühere Rekonstruktionsmodelle haben diese nüchtern durch Lesungen ersetzt. Andere haben Kompositionen in modernem Stil eingefügt.
Die jetzt erklingende Fassung des Hamburger Kirchenmusikers Rudolf Kelber geht einen dritten Weg: Grundlage ist die Zusammenstellung originaler Teile durch Diethard Hellmann 1964. Rezitative und Volkschöre werden namentlich einer Passionsmusik nach dem Markus-Evangelium des Barock-Komponisten Reinhard Keiser entlehnt. Bach hatte dessen Oratorium ebenfalls geschätzt und in der Thomaskirche aufgeführt. Außerdem fügt Kelber kleinere Partien von Telemann und eigene, dem Bach-Stil angepasste Vertonungen ein. Er kann sich auf die Methode des „Pastizzio“ der Barockzeit berufen, eigene und fremde Kompositionen in Opern oder Oratorien zu verbinden.
Prägend bleiben allerdings die zentralen Chöre, Choräle und einige Arien aus Bach‘schen Originalbeständen. Die Markus-Passion wurde in dieser Fassung 1998 zuerst von Kelber selbst in der Hamburger Hauptkirche St. Jacobi aufgeführt. Man darf gespannt die Gießener Erstaufführung erwarten.
Kartenvorverkauf (acht bis 20 Euro): Kirchenladen, Marktplatz 7 (Telefon 0641/969 8535) und über Mitglieder der Kantorei.