(tjl). Nicht nur experimentelle Klangabenteuer hat der "Improvisers Pool"am Samstagabend dem Publikum in der alten Uni-Bibliothek geboten, sondern auch eine auf die improvisierte Musik von Frank Rühl (E-Gitarre), Reinhardt Hammerschmidt (Kontrabass) und Peter Geisselbrecht (Flügel) bezogene Tanzperformance. Günther Grollitsch (Bremen) und Claudia Voigt (Frankfurt), die kurzfristig für den angekündigten Tänzer Gregory Livingston eingesprungen ist, tanzten mit verschiedenen Masken, Sonnenbrillen und Perücken. In einer Szene wurde eine Barack-Obama-Maske auf Schaffell gelegt und mit Goldlametta verziert: Assoziationen wie "weihnachtlicher Heilsbringer" oder "Frieden" wurden hier wach.
Die Maskenspiele um Verhüllen, Verbergen und Verwandeln vollzogen sich in der Saalmitte. Die Besucher waren um die Tanzfläche herumplatziert; die ungewöhnliche Bestuhlung war Bestandteil der Aufführung. Die Instrumentalisten waren an den Seiten im Raum verteilt, so dass der Klang nicht nur aus einer Richtung kam. Obwohl die Beteiligten zum ersten Mal in dieser Kombination miteinander auftraten, waren die Improvisationen sehr genau aufeinander bezogen, was für die hohe Professionalität und das künstlerische Gespür der Ausführenden spricht. Die Musik hatte an diesem Abend den Charakter einer Klangfolie zum Tanz. Nicht nur traditionell musikalisches Material wurde aufgegriffen und variiert, sondern auch Geräuschartiges. Das Experimentieren mit den Klangfarben der Instrumente und der perkussive Gebrauch des Kontrabasskorpus prägten das Musizieren, wobei die Instrumentalisten an manchen Stellen in den Tanz miteinbezogen wurden.
Grollitsch und Voigt zeigten immer neue ausdrucksstarke Bewegungskombinationen. Am Ende wurden die Besucher von Grollitsch von den Stühlen gezogen und die leeren Sitzmöbel dann flach auf den Boden gelegt. Das Abschlussbild waren demnach stehende Besucher und flachgelegte Stühle. Reichlich Applaus ernteten die Akteure.