(kjf). „Mit John Lennon und dem Gibbon nach Ancona“ lautet der einigermaßen kryptische Titel des Romans von Georg Meier. Der in Gießen geborene Autor lässt in seinen Werken eine Zeit wieder aufleben, in der Drogenkonsum schick war und zur rebellischen Attitüde die Sympathie für die Rote Armee Fraktion gehörte. Meiers Erstling „Alle waren in Woodstock außer mir und den Beatles“, einer turbulenten Jagd nach dem Glück, die ihren Anfang in Gießen nimmt, wurde zum Bestseller. Auch der zweite Roman „Härte 10“, in dem Meier verschiedene Weltkriegsveteranen im Gießen der Nachkriegszeit stranden lässt, wurde ein Erfolg. Im dritten Roman lässt der Autor nun auf dem Hamburger Kiez, der seit einigen Jahren zur Heimat Meiers geworden ist, eine turbulente Krimikomödie spielen, in der längst vergessene Fememorde und geplatzte Drogengeschäfte den Helden Willi Windhorst in fast ausweglose Situationen manövrieren.
Zeit der Gammler
„Ich habe mich noch nie bei jemandem angeschleimt. Außer einmal. Bei Angelika Möbius. Die wollte ich unbedingt flachlegen und da hab ich gelabert und gelabert, wie geil ich die KPD/ML fände, dabei war sie schon längst nicht mehr bei der KPD/ML. Sie war bei den Zeugen Jehovas.“ Wenn Willi Windhorst erzählt, werden Erinnerungen wach - an eine Zeit, in der Drogenkonsum selbstverständlich und natürlich jeder ein Linksradikaler war. Außer den Erinnerungen kommen bei Willi aber auch Altlasten an die Oberfläche. Eine Leiche, die auf seinem geerbten Grundstück vergraben wurde, etwa. Die Mörder wohnten einmal mit Willi in einer Wohngemeinschaft. „Mit dem Gibbon und John Lennon nach Ancona“ führt die Leser in die Zeit der Gammler, Hippies und der RAF. Und von da geht es in eine Gegenwart, in der die vergessenen Sünden und Verbrechen plötzlich wieder präsent sind.
Der Ich-Erzähler, ein alternder Drogenhändler, der es zu einem gewissen Wohlstand gebracht hat und ein spießiges Leben führt, gerät ins Visier von politischer Polizei, der Drogenmafia und Resten der Terroristenszene. Zusammen mit seinem Freund Arno Schuster, der aus dem Zuhältermilieu ausgestiegen ist, versucht Willi sich aus all den Verwicklungen heraus zu winden.
Flotter Schreibstil
Meier schreibt flott und spannend und nimmt nie ein Blatt vor den Mund. Nur manchmal geht die Phantasie arg mit ihm durch, wenn er seinem Helden unappetitliche und unrealistische Sexszenen spendiert, die mehr an Altmännerphantasien als an Milieustudien denken lassen. In den starken Szenen seines neuen Buches hält Meier den alten Linksradikalen einen Zerrspiegel vor. Die, die inzwischen nicht völlig bieder geworden sind, bringt Meier damit zum Lachen, die anderen werden sich ärgern.
Meier, geboren in Gießen, hat neben eigener Knasterfahrung auch jede Menge Erfahrung mit der Gastronomie und den 68ern, denen er schließlich angehört. Daraus hat er wieder ein spannendes Buch gemacht, das viele Einblicke in ein Denken erlaubt, das aus heutiger Sicht unmöglich erscheint. Das Buch ist im Dittrich Verlag erschienen. ISBN: 9783937717401
Am Sonntag, 1. August, liest der Gießener Schauspieler und Comedian Peter Schomber in der Reihe Eine(r) liest in den Marktlauben um 11.30 Uhr aus Meiers erstem Roman „Alle waren in Woodstock, außer mir und den Beatles“. Dazu gibt es einen Bücherflohmarkt. Bei Regen findet die Veranstaltung im Netanya Saal statt. Der Eintritt ist frei.