Von Susanne Engelbach
Aramis-Trio und Uni-Orchester führen Beethovens Tripelkonzert auf
Viel Zeit blieb dem Universitätsorchester in diesem Semester nicht zum Einstudieren der Werke für das Semesterabschlusskonzert, denn die Probezeit des ohnehin kurzen Sommersemesters wurde durch Krankheit des Universitätsmusikdirektors Stefan Ottersbach noch weiter verkürzt. Was die jungen Musiker nach nur fünf Wochen am Sonntagabend von der die Bühne der Kongresshalle aus zu Gehör brachten, wurde dadurch noch bemerkenswerter. Mit Bravour meisterte das Orchester Dvoráks Werke „Die Waldtaube“ und die 8. Sinfonie und schuf gleichzeitig einen eindrucksvollen Rahmen für das bewegende Beethoven’sche Tripelkonzert. Für die Aufführung dieses selten gespielten Werkes hatte man das Aramis-Trio eingeladen, das für seine Leistung von Publikum ebenfalls mit begeistertem Applaus belohnt wurde. Auch wenn der nach jedem Satz ertönende Szenenapplaus eindeutig mehr der mangelnden Erfahrung des Publikums mit üblichen Konzertgewohnheiten als mit spontaner Begeisterungsbekundung zu verdanken war, so hatte das Orchester diesen dennoch vollkommen verdient. Denn auch, wenn die Stärke des Uniorchesters nach wie vor in den energischen Tutti steckt, so gelangen ruhige und solistische Passagen in allen Werken ohne Ausnahme mit spannungsgeladener Intensität und gefühlvollem Ausdruck. Besonders dem Eröffnungsstück kam dies von Anfang an zugute, denn Dvoráks äußerst vielschichtige „Waldtaube“ (1896) benötigte gerade dieses Maß an Einfühlsamkeit und Flexibilität. Mit ausgefeilter Dynamik und hingebungsvollem Spiel gelang es den Musikern, den einzelnen Szenen der bildreichen sinfonischen Dichtung, die der Komponist eng an einer Ballade von Karel Jaromir Erben orientierte, die richtige Farbigkeit zu verleihen. Jedes einzelne Motiv der Geschichte der mordenden Ehefrau wurde im Sinne der Programmmusik geradezu zelebriert, ohne dass die Darstellung zu sentimental wurde.
Ebenso wie dieses Werk, das nach seiner Entstehung aufgrund seiner Programmatik von vielen Rezensenten abgelehnt und deshalb selten gespielt wurde, wird auch Beethovens Tripelsonate op. 56 nicht häufig zur Aufführung gebracht. Dies liegt jedoch an der Tatsache, dass dieses Werk nach einem Klaviertrio verlangt, das sowohl mit solistischer Brillanz als auch im kammermusikalischen Zusammenspiel überzeugen kann. Hat man ein solches Trio gefunden, so entsteht im Zusammenspiel mit dem Orchester ein Werk von ungemein fesselnder Ausdruckskraft, denn der Wechsel zwischen den besinnlichen und dialogreichen Triopassagen und den virtuosen Soli wird zum mitreißenden Strudel zwischen lebhafter Verspieltheit und feuriger Leidenschaft.
Das am Sonntag mit anhaltendem Applaus gefeierte Aramis-Trio konnte diesen Ansprüchen größtenteils gerecht werden: Heiner Reich spielte sein Cello mit fesselnder Intensität und entfaltete sowohl über den Stichworten, die ihm das von Ottersbach dezent geleitete Orchester gab, als auch im schlüssigen Dialog mit der ausdrucksstarken Violine, gespielt von Martin Emmerich, eine bestechende Virtuosität. Im Wechselspiel mit dem Pianisten Fabian Wankmüller gelang es den beiden Streichern, die phrasenhafte Melodielinie in den kammermusikalischen Abschnitten nicht fragmentarisch erscheinen zu lassen, sondern einen eindringlichen Gesamklang zu erzielen. Die relativ schlichte Klavierbegleitung, die Beethoven für seinen Klavierschüler Erzherzog Rudolf von Österreich schrieb, interpretierte Wankmüller mit viel Frische, im Zusammenspiel mangelte es jedoch ein wenig an der nötigen Zurückhaltung. In der Zugabe („Oblivion“ von Piazzolla) belegten die Musiker ihre beachtlichen Fähigkeiten noch einmal eindrücklich.
Nachdem das Orchester aus seiner Rolle als zurückhaltendes Begleitensemble wieder befreit wurde, zeigte es auch bei Dvoráks 8. Sinfonie von Beginn des ersten Satzes an viel Feingefühl für die Interpretation der gegensätzlichen Motive. Das Spiel der Bläser zeigte sich hierbei besonders ausdrucksstark. Flöte, Fagott und Hörner übernahmen mit großem Geschick die tragenden Melodien und zeichneten sich auch im Zusammenspiel mit den Streichern stets durch achtsame Dynamikwahl aus. Nach einem grazilen Allegretto, das von Anfang an von der exakten Rhythmizität profitierte, führte das Orchester den Finalsatz zu einem glanzvollen Ende.