Folklore im Hörsaal: "Doppelbock" spielt mittelalterliche Musik in ungewöhnlichem Stil
(kjf). Es waren ungewöhnliche Klänge, die mit archaischer Kraft durch den Physik-Hörsaal zogen. Die Schweizer Folkloreband "Doppelbock" war, verstärkt durch die Sängerin Christine Lauterburg, in die Heimat der komplizierten Formeln gekommen und präsentierte modern arrangierte Musik aus dem Mittelalter.
Jeder der Musiker beherrscht eine Vielzahl von historischen und modernen Instrumenten. Da war zunächst die Sängerin Christine Lauterberg, die mit einer umwerfend kraftvollen Stimme in einem Dialekt sang, den wahrscheinlich keiner der Anwesenden auch nur annähernd verstand. Die Begeisterung war dennoch groß, denn diese Stimme schien keinerlei Begrenzung zu kennen. Dazu jodelte die Sängerin und spielte auch noch erstklassig Geige.
Die vier Bandmitglieder schufen mit ihren Instrumenten einen fröhlichen rahmen für die Show der Sängerin. Dide Marfurt, der Gründer der Formation, spielte die Busuki, die Tamburiza, die Helvetische Sackpfeife, die Drehleier und ein Instrument namens Bodhran. Dazu sang auch Marfurt überzeugend.
Jean-Pierre Dix beschränkte sich auf einen Kontrabass, war darauf aber so virtuos, dass er kein anderes Instrument brauchte. Simon Dettwiler spielte die hier eher unbekannte Schwyzerorgel, die aber doch sehr an ein Akkordeon erinnert, und Markus Maggiori trug mit Cajon, Congas, Kalimba, Djembe, Schalmei, Alt- und Tenorpommern, Tamburin, Renaissancetrommel, Brummtopf, Triangel, Kalimba, Shaker, Trümpi und Gong eine Vielzahl von Perkussionsinstrumenten zum Klangbild bei. Außerdem sang auch Maggiori Refrains und Hintergrundgesänge.
Die anrchaische Musik ließ alle Klischees von Volksmusik vergessen. Die teilweise über 500 Jahre alten Lieder kamen frisch und unverbraucht daher. "Doppelbock" scherte sich nicht um traditionelle Formen der Darbietung, sondern spielte gerade so, als seien die Lieder neu entstanden.
Man hätte der außergewöhnlichen Darbietung mehr Publikum gewünscht, als die 40 Besucher, die den Weg in den ungewöhnlichsten Gießener Konzertsaal gefunden hatten. Die Stimmung war aber auch im kleinen Kreis bestens.