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Gießener Anzeiger

Kultur 

Uni-Orchester Gießen spielt „Star Wars“, Gershwin und 2. Klavierkonzert von Rachmaninow

29.06.2010 - GIESSEN

Von Susanne Engelbach



Wer es am Sonntagabend schaffte, durch die fußballbegeisterten Menschenmassen und zahlreichen Straßensperren bis zur Kongresshalle durchzudringen, den erwartete dort ebenfalls ein wahres Fest der Emotionen: Hochdramatisch und virtuos spielte das Universitätsorchester unter der Leitung von Stefan Ottersbach bekannte Filmmusik aus „Star Wars“ und „Ein Amerikaner in Paris“. Komplettiert wurde das Programm durch das 2. Klavierkonzert von Rachmaninow, virtuos vorgetragen von Arina Bönhof als exzellente Solistin.

Allen Werken, die das gut gelaunte Orchester zu Gehör brachte, war eins gemeinsam: Sie wurden als Filmmusik komponiert oder fanden zumindest immer wieder als solche Verwendung. Die den Werken innenwohnende Emotionalität und die Fähigkeit, durch hohe Spannung und rasante Entwicklung das Publikum mitzureißen und klanglich zu fesseln, schien bei diesem Konzert durch die exzellente Interpretation der jungen Musiker besonders ausgeprägt. Ihr Potenzial zur dramatischen Gestaltung und zur ausdrucksstarken Tutti konnte sich in diesem Programm hervorragend entfalten.

Doch auch die ruhigen Passagen gelangen bereits bei dem ersten Werk, der Filmmusik zu „Ein Amerikaner in Paris“ mit Bravour. Diese 1928 von Gershwin vertonten Eindrücke eines amerikanischen Besuchers, die dieser bei einem Streifzug durch Paris gewinnt, sind geprägt durch ihre Vielseitigkeit: hupende Taxis, Tanzmusik und einsame Plätze fasste der Komponist ebenso in Töne, wie das Heimweh des Besuchers und den Trubel des französischen Nachtlebens. Mit exakter Koordination und stets passender dynamischer Gestaltung gelang es dem Orchester stets, die jeweilige Stimmung dieser ständig wechselnden Eindrücke in die passenden Klänge zu kleiden.

Brillante Interpretation

Auch Rachmaninows 2. Klavierkonzert, wenngleich nicht explizit dafür geschrieben, fand als Filmmusik häufig Verwendung. Die das Werk charakterisierende Dramatik und Erhabenheit konnte die Solistin Arina Bönhof in ihrer brillanten Interpretation vollständig entfalten. Die junge und zierliche Pianistin spielte einen unerwartet energischen und stark differenzierten Rachmaninow, ließ es jedoch nie an Zurückhaltung und Besonnenheit fehlen.

Gänsehaut garantiert

Obwohl der harte Klang des bereit gestellten Flügels sich nicht immer recht in den Gesamtklang des Orchesters einfügen wollte, schaffte Bönhof es stets, in einen einfühlsamen und vielsagenden Dialog mit den übrigen Musi- kern zu treten, so dass bereits beim ersten dramatischen Einsatz des Orchesters Gänsehaut garantiert war. Auch im zweiten Satz gelang nach einem gelungenen Bläsereinstieg das Zusammenspiel zwischen der Pianistin und den Streichern in beispielhafter Ausgewogenheit, bei der jedoch stets die Vorrangstellung des Klaviers gewahrt wurde. Ihre ausgesprochene Virtuosität stellte Bönhof auch im anspruchsvollen dritten Satz unter Beweis und beeindruckte das begeisterte Publikum durch Souveränität und exzellente Ausgestaltung.

Ebenso ausdrucksstark gelang dem Orchester anschließend der Einstieg in die bekannte Filmmusik von John Williams, die dieser zu der Trilogie „Star Wars“ schrieb. Donnernde Tutti wechselten sich ab mit ein- drucksvollen solistischen Abschnitten, bei denen einzelne Bläser gekonnt die energischen Hauptmelodien übernahmen. Doch nicht nur die pathetischen Sätze gelangen, sondern auch in den ruhigen und leitmotivischen Themen, die Williams für die Star Wars-Charaktere Prinzessin Leia und Yoda ersann, glänzte das Orchester mit eindringlichem und intensivem Spiel und wurde dafür mit lang anhaltendem Applaus belohnt.

Die folgende Zugabe, die mit einer englischen Flagge auf dem Flügel in Gedenken an die Niederlage der Engländer bei der Fußball WM am gleichen Tage gespielt wurde und die Ottersbach als „die heimliche britische Nationalhymne“ bezeichnete, ist ebenfalls nicht unbekannt als Filmmusik: Der 1. Marsch der fünfteiligen Komposition „Pomp and Circumstance“ von Sir Edward Elgar passte somit aus zweierlei Gründen in das Programm. Mit Standing Ovations wurden die Musiker erst nach einer zweiten Zugabe entlassen, bei der sie (wer hätte etwas anderes erwartet?) Filmmusik aus „Fluch der Karibik“ spielten.

Die Klaviersolistin Arina Bönhof und Dirigent Stefan Ottersbach nehmen den wohlverdienten Applaus entgegen.		Foto: Engelbach

Die Klaviersolistin Arina Bönhof und Dirigent Stefan Ottersbach nehmen den wohlverdienten Applaus entgegen. Foto: Engelbach


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