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„Klufterei“-Kollektion bietet richtiges T-Shirt für Lokalpatrioten

11.06.2011 - GIESSEN

Von Oliver Keßler

Wie aus einem originellen Geschenk zum Geburtstag eine Geschäftsidee werden kann, machen Paul Böhm und Eva Münstermann vor. Sie sind die Verantwortlichen hinter der „Klufterei“. Klufterei ist manisch und bedeutet Kleidung. Wer das Manische nicht kennt, ist kein Gießener. Und genau um die geht es. Denn das kleine Modelabel hat ausschließlich T-Shirts im Angebot. Deren Aufdrucke sind eine Liebeserklärung an eine Stadt, die viele für hässlich halten.

Oft sind es Anlehnungen aus der Kunst oder Popkultur, die Klufterei-Shirts zieren. Zum Beispiel kennt kaum noch jemand Robert Indiana. Dafür kennt jeder das 1966 entstandene Wortwerk des amerikanischen Pop Art-Künstlers, das sich aus den den vier Großbuchstaben L und O, darunter V und E in den Farben Rot, Blau und Grün zusammensetzt. Bei Paul Böhm und Eva Münstermann sind die vier Buchstaben wahlweise Blau oder Grün, und sie lauten U und L und darunter A und I. „Ulai“ wird phonetisch wie ein Kaugummi lang gezogen, ist ein Zeichen einer begeisterten Respektsbekundung und heißt soviel wie: „Das ist aber beachtlich.“

Genau das lässt sich auch über die „Klufterei“ und ihren sympathischen Lokalpatriotismus sagen. „Ich habe Paul zum Geburtstag ein T-Shirt geschenkt, das ich selbst entworfen habe“, erinnert sich Eva Münstermann an die Geburtsstunde der Modemarke. Dazu gab es noch einen Gutschein für ein weiteres Shirt nach einer eigenen Idee. Der Beschenkte lieferte ein paar seiner Meinung nach typischen Umrisse für Gießen. Fertig war das Ur-Motiv (oben und Info-Kasten).

„Wir haben uns überlegt, dass es so etwas wie Gießen-Shirts überhaupt noch nicht gibt“, sagt die 30-Jährige weiter. Die Idee der Unternehmung war geboren. „Danach hat es ein Jahr gedauert, bis wir losgelegt haben“, sagt Paul Böhm, hauptberuflich Wirtschaftswissenschaftler und Doktorant an der Technischen Hochschule Mittelhessen. Das kleine Unternehmen läuft seit März und ist ein perfektes Beispiel dafür, wie aus Konsumenten durch die kurzen Vertriebswege des Internets schnell Produzenten werden können. „Natürlich hatten wir uns vorher ein bisschen informiert“, sagt der 31-Jährige. Das meiste sei aber Learning by Doing gewesen.

„Im Prinzip kann man nicht viel verlieren“, sagt Eva Münstermann zu dem überschaubaren finanziellen Risiko. Auf einer übersichtlichen Internetseite werden die Idee und die mehr als 30 Modelle vorgestellt. Jedes kostet 22 Euro. Dazu gibt es ein „Shirt des Monats“ für 19 Euro. Ein Lager gibt es nicht. Produziert wird im „Druckstore“ in Krofdorf, was bestellt wird. Mit Flexdruck, einer dünnen, gummiartigen Oberfläche, kommen die Motive auf den Stoff.

Per E-Mail gehen die ersten Ideen und dann die Entwürfe und Verbesserungsvorschläge zwischen Gießen (Paul Böhm) und Wiesbaden (Eva Münstermann) hin und her, bis ein neues Modell serienreif ist. Auf diese Weise ist „Welcome to the latscho City of Gießen“ im glitzerglimmerigen Las Vegas-Stil entstanden. Oder die Silhouette der Drei Schwätzer mit der Aufschrift „Heinrich, Justus & Mariechen“. Auch die sehr persönliche Gießen-Skyline der Anfangszeit gibt es in Gold oder Pink. Dazu kommen Shirts für verschiedene Altersklassen mit der Aufschrift „Tschabo“ (junger Mann) oder „Gardsch“ (Mann). Alteingesessenen wird auch die Zahlenkombination „6300“ noch etwas sagen. Die alte Postleitzahl prangt auf einem weiteren Shirt. „Da ist noch sehr viel Potenzial“, sagt sie über künftige Ideen. Auch über die Internetseite kommen viele Vorschläge. Die seien aber bisweilen nicht umzusetzen, weil oftmals deutlich unter der Gürtellinie.

„Die meisten sind natürlich Gießener“, sagt Paul Böhm über die Herkunft der Kundschaft. Die Nachfrage des Projekts ist allerdings nicht auf den lokalen Markt beschränkt. Im Gegenteil, gerade Weggezogene, aber der Heimat Verbundene, bestellen gerne. Deshalb gehen Pakete auch nach Hamburg, Köln oder Berlin. „Da sind überraschend viele Nicht-Gießener dabei.“ Ein „Welcome“-Shirt wurde sogar schon nach Washington D.C. geschickt.

„Es gibt viele Anfragen, wo ein Verkauf ist“, berichtet Paul Böhm weiter. „Die Menschen wollen die Shirts anfassen und anprobieren.“ Seit Anfang Mai sind ausgewählte Motive der Kollektion in der Tourist-Information neben der Kongresshalle erhältlich. Im Einzelhandel sind sie derzeit noch nicht zu kaufen. „Wir werden aber einen Stand auf dem Stadtfest haben“, kündigt Eva Münstermann an. Wo wohl? Klar: Bei den Drei Schwätzern.

Wer sich mit der Stadt und ihren Eigenheiten verbunden fühlt, schmunzelt über die Motive, die Paul Böhm und Eva Münstermann  mit ihrer „Klufterei“ auf T-Shirts drucken.	Foto: Möller

Wer sich mit der Stadt und ihren Eigenheiten verbunden fühlt, schmunzelt über die Motive, die Paul Böhm und Eva Münstermann mit ihrer „Klufterei“ auf T-Shirts drucken. Foto: MöllerVergrößern

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