Mieterverein plädiert für mehr Barrierefreiheit
19.07.2011 - GIESSEN
(red). Viele ältere Menschen wollen, solange es geht, in den eigenen vier Wänden leben. Den meisten gelingt das auch. „Die häufigste Wohnform im Alter ist die normale Wohnung“, meint Stefan Kaisers, Vorsitzender des Mietervereins Gießen. 93 Prozent der Menschen mit 65 Jahren und älter leben in normalen Wohnungen, das ist das Ergebnis des Forschungsprojektes „Wohnen im Alter - Marktprozesse und wohnungspolitischer Handlungsbedarf“, das für das Bundesbauministerium erstellt worden ist. Mit der Untersuchung wollte man aber vor allem herausfinden, wie die Häuser der Senioren ausgestattet sind. Solange man fit ist, lassen sich Stufen und Treppen gut überwinden. Von einem gewissen Alter an kann sich das jedoch schnell ändern. Die Wohnungen sollten darum möglichst ohne Stufen sein und müssen ausreichend Platz für Personen mit Gehbehinderungen bieten. Breite Türen und eine bodengleiche Dusche dürfen auch nicht fehlen. Das gibt es jedoch nur sehr selten.
„Selbst wenn die Betroffenen auf Hilfe und Pflege angewiesen sind, haben ihre Wohnungen Barrieren“, sagt Kaisers. Bei nur fünf Prozent der befragten Seniorenhaushalte gebe es keine nennenswerten Barrieren. „Bei derzeit elf Millionen Seniorenhaushalten in Deutschland entspreche das nur etwa nur 570 000 weitgehend barrierefreien Wohneinheiten. Das reiche nicht aus. „In 83 Prozent der Haushalte gibt es sogar erhebliche Barrieren, wie Treppen, zu enge Türen oder zu kleine Badezimmer. Weil ältere Menschen häufig sehr lange in ihren Wohnungen leben, wohnen sie oft in älteren Gebäuden“, erklärt der Mietervereinsvorsitzende. Solche Immobilien seien meist 40 oder 60 Jahre alt. Häuser diesen Alters müssten generell energetisch saniert und dabei noch seniorengerecht umgebaut werden. Hinzu kommt, dass die Zahl der Senioren in Deutschland weiter steigt. Im Jahr 2030 wird es etwa 22 Millionen Menschen geben, die älter als 65 Jahre sind.
Das ist mehr als Viertel der Bevölkerung. Schon in naher Zukunft werde man vermutlich 2,5 Millionen barrierefreie Wohnungen benötigen, schätzen die Experten. Es besteht also ein großer Investitionsbedarf. Zuschüsse und Förderungen für die Umbauten sind deshalb dringend notwendig, sagt Kaisers.