Ein Gymnasium für den Landkreis
10.12.2011 - GIESSEN
GEW-Vorstand: Landesgartenschau wird zur Bildungsbremse
(tt). Der Kreisvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat angeregt, dass der Kreis eines der drei Gymnasien in Gießen - Liebigschule, Landgraf-Ludwigs-Gymnasium und Herderschule - übernimmt. Zwei Gymnasien für die Stadt seien ausreichend. Viele Schüler an Gießener Schulen, insbesondere der gymnasialen Oberstufe, kämen aus dem Kreis. Die Stadt finanziere somit für den Kreis eine kostengünstige Beschulung seiner Schüler, hieß es zur Begründung. Einen Vorschlag machte die Gewerkschaft nicht. Jedoch hatte der Leiter der Herderschule, Dieter Gath, vor geraumer Zeit Bereitschaft gezeigt, zum Kreis zu wechseln.
Mit Blick auf die im nächsten Jahr anstehende Fortschreibung des Schulentwicklungsplans mahnt die GEW eine engere Abstimmung der beiden Schulträger Stadt und Kreis an. Kritisch setzte sich die Gewerkschaft mit der Landesgartenschau auseinander. „Wer als Politikerin und Politiker als letztes ,Ausgabenstrohfeuer‘ eine Landesgartenschau durchsetzt und Bäume abholzt, legt damit auch die Axt an die Weiterentwicklung der Gießener Schulen“, sagte Peter Müller vom Vorsitzendenteam der GEW-Gießen angesichts der von der rot-grünen Stadtregierung geplanten Verschiebungen von Baumaßnahmen an Schulen in der Stadt. Angesichts der für Gießen immensen Schulden und Zinsbelastungen sei schon jetzt abzusehen, dass die in der Koalitionsvereinbarung für die Schulen genannten Ziele - Sanierung, Modernisierung und Anpassung des Raumbedarfs - in weite Ferne rückten. Hinzu kämen erhöhte finanzielle Belastungen durch die Umsetzung der Beschulung von Menschen mit Behinderungen an den allgemeinbildenden Schulen (Inklusion) sowie die Etablierung von Schulsozialarbeit in allen Gießener Schulen.
Notwendige Sanierungsmaßnahmen, wie sie für die Herderschule vorgesehen seien, würden auf mehrere Jahre gestreckt. Andere dringende Investitionen, wie die Renovierung und Ausstattung der durch den Umzug der Helmut-von-Bracken-Schule in der ersten Jahreshälfte 2012 frei werdenden Räume seien im neuen Haushaltsentwurf nicht vorgesehen. Somit sei zu befürchten, dass nach dem Umzug die für die Gesamtschule-Gießen-Ost und die Korcakschule dringend benötigten Unterrichtsräume dann zwar zur Verfügung stünden, aber leider nicht genutzt werden könnten, weil der Stadt hierfür das Geld fehle. Dies sind nach Ansicht der GEW nur zwei Beispiele für den Anfang einer Entwicklung, die sich 2015 noch verschärfen werde. Denn erst nach dem Ende der Landesgartenschau stehe das tatsächliche Ausmaß der Kosten und damit des Defizits fest.