Darwinpfad als einer von „365 Orten im Land der Ideen“ ausgezeichnet
11.06.2012 - GIESSEN
(fod). Der große englische Evolutionsforscher Charles Darwin (1809 bis 1882) hatte sich einst bei seinem Haus in London einen Pfad angelegt, den er „Sand walk“ oder „Thinking path“ nannte, um dort in der Natur seinen Gedanken zur Evolution nachzugehen. Nach diesem Vorbild wurde auch im Gießener Botanischen Garten vor wenigen Jahren ein rund 150 Meter langer, geschlängelter Sandweg geschaffen, dessen Bambuspflanzen mittlerweile eine Höhe von mehreren Metern erreicht haben. Das Konzept, das ebenso für blinde Besucher ausgelegt ist, hat auch das Auswahlgremium des Wettbewerbs „365 Orte im Land der Ideen“ überzeugt.
Der Darwinpfad ist in diesem Jahr einer der bundesweit ausgewählten Orte. Vergeben wird die Auszeichnung von der Standortinitiative „Deutschland - Land der Ideen“ gemeinsam mit der Deutschen Bank. Beim Betreten des Pfades bietet sich dem Besucher ein wahres Pflanzendickicht, das beim Durchgehen häufiges Bücken erfordert. Entlang des Weges finden sich dann fünf Stationen mit Texttafeln und Bronzebüsten bedeutender Evolutionsforscher, an denen man mit zentralen Fragen des Lebens und Theorien aus über zweitausend Jahren konfrontiert wird. Prof. Volker Wissemann und Diplom-Ingenieur Holger Laake, wissenschaftlicher und technischer Leiter des Botanischen Gartens, bekamen am Samstag die Auszeichnung von Marco Soika von der Deutschen Bank überreicht.
Der Darwinpfad befindet sich in guter Gesellschaft, so waren 2006 und 2009 schon Mathematikum und Liebigmuseum mit demselben Titel geehrt worden. „Die Preisträger müssen eine außergewöhnliche Idee umgesetzt haben und Vorbild für andere sein“, sagte Soika zu den Anforderungen des Preises, für den sich dieses Jahr über 2000 Projekte beworben haben. Laut Wissemann sollen Besucher beim Beschreiten des Darwinpfades „etwas Abstand finden von der Welt, um in aller Ruhe Zeit zur Beschäftigung mit existenziellen Fragen unseres Lebens zu haben“. Dazu werden Theorien zur Evolution und Natur bekannter historischer Personen und Forscher präsentiert, von Aristoteles (384 bis 322 vor Christus) und dessen Stufenleiter der Natur (Scala naturae) über den Gießener Zoologen August Christoph Carl Vogt (1817 bis 1895) bis hin zu Charles Darwin. Fragen, die dort aufgeworfen werden, seien zum Beispiel: Was ist ein Lebewesen? Warum ist die Welt, etwa der Pflanzen, überhaupt so vielfältig? Und was ist eigentlich die Seele, und wo könnte sie sitzen?