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Gesundheitswegweiser vorgestellt

22.04.2009 - GIESSEN

Interkulturelles Angebot richtet sich in acht Sprachen an Migranten - Zugang erleichtern

(wa). Vielen Migranten ist das deutsche Gesundheitssystem mit seinen Strukturen und Angeboten häufig nicht bekannt. Hinzu kommen Sprachbarrieren zwischen deutschen Ärzten und Patienten mit Migrationshintergrund, die Diagnose und Therapie erschweren. Um dem entgegenzuwirken und den Zugang zur gesundheitlichen Versorgung zu erleichtern, gibt es ab sofort den Interkulturellen Gesundheitsratgeber der Stadt.

Der neue, kostenlose Ratgeber übersetzt "zur besseren Orientierung für Migranten mit geringen Sprachkenntnissen die Facharztbezeichnungen beziehungsweise das Inhaltsverzeichnis in acht Sprachen", erklärte die Integrationsbeauftragte der Stadt, Sholeh Sharifi. Sie stellte gestern gemeinsam mit Oberbürgermeister Heinz-Peter Haumann sowie den Interkulturellen Gesundheitslotsen Güleser Karacan und Dr. Anna Germeroth die Broschüre vor, die in einer ersten Auflage von 2000 Stück im Integrationsbüro, beim Ausländerbeirat, dem Stadtbüro, dem Gesundheitsamt sowie in Krankenhäusern, Apotheken und bei niedergelassenen Ärzten erhältlich ist. "Ich wünsche mir, dass diese praktische Arbeit viele Menschen in der Stadt erreicht", erklärte Haumann. Dieses "tolle Produkt" sei ein "ganz praktisches Ergebnis", wie Forderungen des nationalen Integrationsplans umgesetzt würden und "ist damit ein weiterer Beitrag zum Integrationskonzept der Stadt". Nach Angaben der Integrationsbeauftragten Sholeh Sharifi, in deren Händen die Realisierung des Projektes lag, brauchen "Menschen aus verschiedenen Kulturen, mit einer unterschiedlichen Sprache und Religion, besonderen Raum für ihre verschiedenen Ausdrucksformen". Da Sprache Ausdruck dieser Besonderheit sei und "von uns als Ressource wertgeschätzt wird, freuen wir uns, mit dem Gesundheitswegweiser ein interkulturelles Angebot im Gesundheitsbereich beziehungsweise einen weiteren Schritt zur Integration präsentieren zu können". Der Gesundheitswegweiser sei ein Beitrag zur besseren gesundheitlichen Vorsorge, Beratung und Versorgung von Migranten. Gleichzeitig solle die Publikation Ärzte sowie Mitarbeiter im Gesundheitsbereich und in Beratungsstellen unterstützen, die Patienten entsprechend zu vermitteln.

Die Broschüre enthält mehr als 290 Adressen von Medizinern, Hebammen, Apotheken und Institutionen und ist in Englisch, Französisch, Russisch, Arabisch, Persisch, Türkisch, Polnisch und Spanisch übersetzt. Und sie enthält die Namen und Kontaktdaten der 27 Interkulturellen Gesundheitslotsen, die im Rahmen des gleichnamigen Projektes 2007 ausgebildet wurden und im vergangenen Jahr ihre Arbeit aufgenommen haben. Die Frauen und Männer waren es auch, die die Idee zu diesem Gesundheitswegweiser entwickelt und gemeinsam mit Migrantenselbstorganisationen, Ausländerbeirat sowie den Migrationsdiensten der Diakonie und des Caritas umgesetzt haben.

Die Gesundheitslotsen verstehen den Wegweiser als eine Ergänzung ihrer Arbeit, die unter anderem darin besteht, Informationsveranstaltungen zum deutschen Gesundheitssystem anzubieten oder zum Beispiel über Vorsorgeuntersuchungen bei Erwachsenen und Kindern zu informieren. Alle Altersgruppen suchten bei den Gesundheitslotsen Rat und Hilfe, betonte Güleser Karacan. Wie wichtig ihre Arbeit sei, zeige der Zuspruch, den sie erfahren. "Gesundheit ist das Wichtigste für den Menschen", erklärte Anna Germeroth. Die neue Broschüre ist damit ein wichtiger Schritt, den Zugang für Migranten zum deutschen Gesundheitssystem zu verbessern.

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