Vortrag über "Schutz des Lebens und was jeder Christ tun kann" bei der katholischen Kirchengemeinde St. Albertus
(kr). Die bundesweite Woche für das Leben, die von der Deutschen Bischofskonferenz und vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland veranstaltet wird, beginnt zwar erst am 25. April. In der Rotunde der katholischen Pfarrgemeinde St. Albertus fand vor Zuhörern aus drei deutschen Bistümern trotzdem bereits ein Vortrag zu dem Thema "Zum Schutz des Lebens - und was jeder Christ tun kann" statt. Der Referent, Wolfgang Hering, berichtete dabei aus seiner Erfahrung als Gründer des Lebenszentrums München.
"Kinder retten, das ist einfach der schönste Job", sagte er und unterstrich, dass es nicht nur um die Kinder gehe, sondern auch um deren Mütter: "Wir sagen Ihnen ,Wir stehen zu Dir und zu Deinem Kind. Es muss nicht sterben, und Du kannst Dir eine schwere seelische Verwundung ersparen` ." Es sei wichtig, Perspektiven aufzuzeigen, Hilfsangebote zu nennen, die entgegen der Verpflichtung bei Beratungen vor einer Abtreibung oft verschwiegen würden. Das Lebenszentrum München gehört zum Verein "Helfer für Gottes kostbare Kinder", der auch an St. Albertus eine Gruppe hat. Den Vereinsnamen erklärte Wolfgang Hering so: "Gottes kostbare Kinder, das sind nicht nur die Kinder, das sind genauso ihre Mütter, das sind die Ärzte in Abtreibungskliniken, das ist das Personal. Gott liebt alle Menschen. Jesus hat auch seine Mörder geliebt, die ihn ans Kreuz geschlagen haben, und für sie gebetet."
Was jeder Christ tun kann, fasste Hering in drei Worten zusammen: "Beten, Fasten, und Hingehen. Beten für alle an Abtreibungen Beteiligten, Fasten, um Kraft für den Kampf zu gewinnen, und Hingehen an die Orte, an denen es nötig ist." Vigilgruppen des Vereins beten auf Bürgersteigen vor Abtreibungskliniken. An 31 Orten haben sie das in Deutschland schon getan. Die greifbare Erfolgsbilanz nannte Hering: "Ich schätze, dass wir 700 bis 800 Kinder gerettet haben, und zehn Kliniken wurden geschlossen."
Was auch die Gießener Gruppe antreibt, drückte Wolfgang Hering so aus: "Öffentliches Zeugnis abzulegen, auch bei Gegenwind, das ist eine gewaltige Botschaft für unsere Kirche und unser Volk." Hering berichtete, dass in den USA weit über 100 Bischöfe an Gebetsvigilien teilnehmen: "Das ist für die dort eine Selbstverständlichkeit." Die deutschen Bischöfe seien "leider noch nicht so weit". Bei einer Vigil in Aachen, wo die größte Abtreibungsklinik genau gegenüber dem Generalvikariat liegt, habe ein Mitarbeiter des Bischofs sogar einmal ein Fenster aufgerissen und die Gebete und Lieder der Lebensschützer mit lauter Radiomusik übertönt.
Wolfgang Hering hat auch die internationale Organisation EuroProLife gegründet, im Geiste des Zweiten Vatikanischen Konzils, "das Abtreibung als abscheuliches Verbrechen bezeichnet hat". In der Fragerunde nach seinem Vortrag nahm er auch Stellung zu der Organisation "Donum Vitae", die nach dem Urteil der Deutschen Bischofskonferenz außerhalb der Kirche steht, in der Katholiken aber dennoch Beratung für Schwangere machen und auch Scheine ausstellen, die zu einer Abtreibung benötigt werden. Hering dazu: "Bei Donum vitae werden Bescheinigungen wenigstens nur im äußersten Notfall ausgestellt, im Gegensatz zu Pro Familia. Pro Familia, das ist die von Johannes Paul II. beklagte ,Kultur des Todes`." Hering berichtete von einem Fall, in dem "eine Frau in einer Beratungsstelle von Pro Familia den Schein nach sieben Minuten in der Hand hatte".
"Das war die Theorie", sagte Wolfgang Hering nach seinem Vortrag: "Morgen kommt die Praxis". Am Freitag fand die 100. Gebetsvigil für das Leben in der St.-Albertus-Kirche statt.