Drei Viertel der Verkaufsflächen sind ungenutzt - Objekt vor Neudefinition - "Alles offen"
Oliver Keßler. Die Dern-Passage ist im Einzelhandel ein Sorgenkind. Mit dem neuen Jahr hat jedoch ihre bislang schwierigste Zeit begonnen. Am 28. Dezember war der Textilfilialist Olymp&Hades ausgezogen. Alleine 1000 der 2300 Quadratmeter großen Gesamtfläche hatte der Ankermieter belegt. Seitdem bekannt ist, dass das Modegeschäft geht, hatten zahlreiche kleinere Geschäfte geschlossen. Am Samstag hat zuletzt die Betreiberin eines Dessousladens die Konsequenzen gezogen. Mittlerweile sind drei Viertel der Fläche leer, und die Einkaufs-Passage steht vor einer Neudefinition. Selbst der Name des einst 26 Millionen Mark teuren Objektes steht zur Disposition. Fünf potenzielle Mieter befinden sich zurzeit in Verhandlung als künftige Ankermieter.
Der Anblick ist trostlos. Meterlange Glasfronten begleiten die Menschen, die den überdachten Weg als trockene und warme Abkürzung zwischen Bahnhofstraße und Westanlage nutzen. Hinter den Schaufenstern befinden sich meist leere Läden. In einem steht noch ein Hubwagen. Kleiderständer, nackte Schaufensterpuppen und Umkleiden hinterlassen auch in dem früheren Olymp&Hades-Laden den schalen Geschmack der Verlassenheit.
"Wir bedanken uns bei unseren Kundinnen, die bis zum letzten Tag zu uns gehalten haben." Der ausgedruckte Zettel, der an der Scheibe von 3-D-Dessous hängt, zeugt von dem wirtschaftlichen Kampf, der heftig war und verloren gegangen ist. Ladeninhaberin Daniela Robbins war im November 2007 eingezogen. "Zu dem Zeitpunkt war noch alles vermietet", berichtet sie. Wenig später zog die Eisdiele aus. Eine Zäsur, wie sie meint: "Damit hat das Ladensterben begonnen." Es folgte unter anderem ein Reisebüro, ein Handyladen, ein Lederladen und ein Accessoiregeschäft. Am Samstag hat sie die Notbremse gezogen und ihren Laden leergeräumt. "Wir hatten ja kaum noch Laufkundschaft", sagt sie.
Die verbliebenen Geschäftsleute sind verunsichert und wollen offiziell nichts sagen. Ein Schmuckgeschäft, ein Schneider, eine Boutique für Übergrößen, die BHW-Postbank mit einem Service-Point, ein Euro-Shop und ein Nagelstudio haben durchgehalten. Wahrgenommen werden sie aber nur selten. Alexandra Sames kommt mit ihrem Mann gerade aus der Tiefgarage mit 200 Stellplätzen. "Wir nutzen die Dern-Passage als Parkhaus, als Verbindung zu C&A oder als Durchgang zur Innenstadt", sagt die Gießenerin stellvertretend für die überwiegende Zahl der Passanten.
Dabei ist bis Ende 2007 ein siebenstelliger Betrag in das Objekt geflossen, das mittlerweile zur Lohnbach Investment Partners GmbH gehört. Das Frankfurter Unternehmen hatte die Schulden des seit 2001 zwangsverwalteten Komplexes übernommen und seitdem versucht, mit Investitionen die Passage zu beleben. Fassade und Boden wurden in diesem Zusammenhang erneuert. War bis 2006 eine Berliner Firma für die Vermarktung der Westanlage 21-31 zuständig, wird das Objekt seitdem von dem heimischen Makler Peters Immobilien betreut. "Im Augenblick ist alles offen", sagt Eva Mittermaier-Peters. Derzeit verhandelt sie mit fünf Interessenten. Vorstellbar ist eine Teilung oder eine ganz andere Aufteilung der Passage. "Es sind weitere Investitionen für weitere Verkaufs- oder Dienstleistungsflächen durchaus angebracht, um die Dern-Passage dauerhaft zu platzieren", sagt sie weiter. Wie sich die gescheiterte Passage zukünftig konzeptionell ausrichten könnte, vermag sie noch nicht zu sagen. "Sicherlich würde ein Café wie früher einmal die Eisdiele wieder Kunden anziehen", ist die Maklerin aber überzeugt. Sie vermutet auch, dass die bisherigen Mieter weiterhin verbleiben können.
"Ich wünsche mir, dass wir bis Ende Februar Licht am Ende des Tunnels sehen", hofft Eva Mittermaier-Peters auf einen baldigen richtungsweisenden Abschluss der Verhandlungen.