700 Teilnehmer informieren sich bei Medien-Bildungs-Messe - "Vielfältige Möglichkeiten
(fm). Zur dritten Medien-Bildungs-Messe, die alle zwei Jahre stattfindet, waren gestern 700 Lehrkräfte, IT- und Medienbeauftragte, Vertreter von Schulträgern und Studienseminaren aus ganz Hessen sowie 70 Aussteller ins Philosophikum II der Universität gekommen. "Die Medieninitiative Schule@Zukunft hat die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass diese Messe eine feste Einrichtung wird", sagte Ministerialdirigent Eric Seng vom Hessischen Kultusministerium in seiner Begrüßungsrede. "Nichts ist so schnelllebig wie die Medienlandschaft."
Um alle hessischen Lehrkräfte mit dem nötigen Knowhow für den sinnvollen Einsatz modernster Medien im Unterricht auszustatten, sei neben ihrer Qualifizierung und der Medienausstattung vor allem der "Support" wichtig. Diese Unterstützung wolle das Ministerium "nach vorne rücken". Zudem soll eine Plattform für den regelmäßigen Austausch mit Fachleuten geschaffen werden.
Jochen Hooss von Schule@Zukunft zeigte sich "überwältigt" von der großen Teilnehmerzahl. Anders als 2007 war allerdings kein Grußwort der hessischen Kultusministerin zu hören. Auch der Gießener Schuldezernent trat diesmal nicht in Erscheinung.
An rund 70 Ständen von Schulbuchverlagen, Hard- und Softwareherstellern, Medienzentren und Unternehmen in der Aula und auf den Fluren wurde eine schier unüberschaubare Zahl Neuer Medien für den Unterricht in allen Schulstufen und Schulformen präsentiert. In 75 praxisnahen Workshops und Foren ging es unter anderem um den IT-Einsatz im Unterricht, die Nutzung von Lernarchiven, die leichte Administration von Netzen in Schulen, den Computerführerschein, den Einsatz von Lernprogrammen zur Diagnose und Förderung, neue Präsentationstechniken, die "Digitale Schultasche" sowie den Bau und die Programmierung von Robotern.
"Die Schule neu zu machen, geht nur, wenn alle an einem Strang ziehen - vom Ministerium bis zum Elternhaus", betonte Prof. Friedrich Schönweiss von der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster in seinem einführenden Vortrag "Kritische Medienpädagogik. Lernen und Unterrichten in der Mediengesellschaft". Trotz immer neuer Möglichkeiten könnten Computer und Internet alleine die von jedem Schulgesetz geforderte "individuelle Förderung" von Kindern nicht leisten. Der renommierte Bildungsforscher und Pädagoge Hartmut von Hentig habe bereits 1997 zutreffend formuliert. "Der Computer ist nur Knecht. Er darf nicht zum Schulmeister werden."
Für Schönweiss ist Schule zwar "der maßgebliche Ort, an dem Kinder ihre Fähigkeiten und Interessen entdecken und ausbauen können". Doch falsche Konzepte, zu wenig Lehrer, ihre fehlende Qualifizierung und "das ewige Messen und Vergleichen" verhinderten oft, dass Kinder die Schule als ein solches Angebot wahrnehmen könnten. Wenn sie Bildung als Belästigung und Schikane empfänden, sei es nicht verwunderlich, dass sie sich häufig alldem durch einen "Rückzug in die virtuelle Sphäre" entziehen wollen.
Mit Blick auf den an der Universität Münster entwickelten "Lernserver" plädierte Schönweiss dafür, die Kinder dort zu fördern, wo sie es brauchen, und sie ernst zu nehmen "samt all ihren Ideen und ihrer Begeisterungsfähigkeit, aber auch mit ihren Sorgen und Schwierigkeiten". Im Verbund von Lehrern mit Eltern und externen Fachkräften sollten Kinder befähigt werden, ihre Bildung tatsächlich in die eigene Hand zu nehmen und ihre unterschiedlichen Stärken zu entdecken und zu entfalten. Eine besondere Rolle spielen dabei die vielfältigen Möglichkeiten, die mit den Neuen Medien geboten werden.
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