Herderschüler beschäftigen sich mit dem Projekt "Tierschutz international" - Informationen aus erster Hand
(fm). Im Rahmen der dreitägigen Projektwoche der Herderschule arbeiten 24 Schüler der 7. und 8. Gymnasialklassen an dem Projekt "Tierschutz international". Von gestern bis Samstag verwirklichen die Klassenstufen 7 bis 11 insgesamt 50 Projekte mit vielfältigen Themen und Aktivitäten. In dem von den Spanischlehrerinnen Sabine Weber und Jana Sprotte geleiteten Projekt Nr. 45 wird Nachhaltigkeit groß geschrieben. Zum einen, weil sich die teilnehmenden Schüler zum "aktiven Mitarbeiten" verpflichtet haben. Zum anderen, weil sie vermutlich zeitlebens nicht vergessen werden, was ihnen gestern die Vertreterinnen von vier Tierschutzorganisationen aus erster Hand über den Auslandstierschutz erzählten. Für die am Samstag stattfindende Präsentation aller Ergebnisse haben die jungen Tierfreunde intensive Vorarbeit geleistet.
In einer Umfrage fanden sie heraus, dass von 249 Herderschülern 124 ein eigenes Haustier besitzen. Darunter sind 88 Hunde, 59 Katzen, 36 Hasen, 32 Spinnen, aber auch Pferde, Mäuse, Fische, Ziegen, Schafe und andere Tiere. 39 dieser Tiere stammen aus Tierheimen, 11 kommen aus dem näheren und fernen Ausland, sogar aus Amerika, Australien, Indien und Peru.
Im Mittelpunkt des Projekts "Tierschutz international" steht die Frage, was Kinder für den Tierschutz tun können. Dazu wurden zahlreiche Fragen und Vorschläge entwickelt. Seit gestern verkaufen die Schüler Waffeln, um das Tierprojekt "Scooby" in Medina/Spanien zu unterstützen, für das sich Sabine Weber seit Jahren engagiert. Mit Zetteln auf allen Eingangs- und Korridortüren rufen sie zudem zu einer Sammelaktion von Decken, Leinen, Halsbändern und anderen nützlichen Dingen für das Tierheim Gießen, die Tieroase Heuchelheim und den Tierschutzverein "Hundeleben retten" auf.
Im Klassenraum lagen jede Menge Tierfotos und Anzeigen für vermittelbare Tiere auf den Tischen. Doch viel wichtiger waren der weiß-braune Bretonenmischling "Snickers", der grau gesprenkelte Jagdhundmischling "Wilma", die hellbraune "Winnie" von Gertrud Hanis (Verein: Hundeleben retten) und Ilse Tóths schwarzer Shi-Tsu "Jolly", die von den Schülern mit Streicheleinheiten und Bauchkraulen überschüttet wurden.
Einig waren sich Angela Achenbach-Heinzerling vom Tierschutzverein Gießen und Umgebung, Ilse Tóth von der Tieroase Heuchelheim, Gertrud Hanis von Hundeleben retten und Sabine Weber von Scooby, dass der Tierschutz in Deutschland einen "hohen Stellenwert" hat. Noch längst nicht so weit sei die Situation in Ländern wie Spanien, Griechenland, Rumänien, Ungarn, der Türkei und anderen. Nachdrücklich sprach sich Ilse Tóth für einen "europäischen Tierschutz-Standard" aus. "Damit wir irgendwann mal keine Hunde mehr aus dem Ausland holen müssen." Auch nicht aus Roquetas (La Mojenera), dem Partnerverein ihrer Tieroase.
Gebannt lauschten die Siebt- und Achtklässler, als Weber und Tóth von den Tragödien ausgesetzter Hunde in Spanien berichteten. Ganz vorne der spanische Windhund Galgo, der den Jägern nach drei Jahren zu langsam sei und dann auf der Straße lande oder erhängt werde. Da die Spanier sehr höflich und gastfreundlich seien, sei das Schicksal der Galgos und anderer Hunde nicht zu verstehen, sagte Tóth. Allein im Tierheim "Scooby" in Medina del Campos harrten zur Zeit 200 Galgos, 250 Mischlinge, 170 Katzen, aber auch Pferde, Esel, ein Waschbär und ein Leguan ihres höchst ungewissen Schicksals. Dank einheimischer Helfer, die fast ihre gesamte Freizeit in dem Tierheim verbringen, habe sich schon vieles gebessert, betonte Weber.
Alle vier Tierschützerinnen stellten ihre jeweilige Organisation vor und gaben den Schülern Ratschläge, was beim Erwerb eines Haustieres zu beachten sei. "Das Tier gehört zuerst sich selber", betonte Tóth. "Wir Menschen sind nur Ersatzpartner für ein Tier."
Laut Achenbach-Heinzerling können die Jugendlichen im Tierheim Gießen Patenschaften übernehmen, Katzen streicheln, ein Praktikum machen oder mit Tieren spazieren gehen. Grundsätzlich freuen sich alle vier Organisationen über Besuche. Das gestern gestartete Deckenprojekt soll nach der Projektwoche weiterlaufen.