Deutliche Worte für ein Politikum
19.03.2010 - GIESSEN
Kreismitgliederversammlung: Bund der Vertriebenen kritisiert Vorgehen der Bundeskanzlerin im Fall Steinbach
(fm). Mit dem Leitwort des Bundes der Vertriebenen (BdV) für das Jahr 2010 "Durch Wahrheit zum Miteinander" überschrieb der Kreisvorsitzende der Union der Vertriebenen (UdV), Egbert Schellhase, in der Kreismitgliederversammlung seinen Tätigkeitsbericht. Nach der anschließenden Neuwahl des Vorstandes sprach Ehrengast Wilfried Schmied, Regierungspräsident a.D., über "Die kommunale Entwicklung im nordöstlichen Sudetenland nach der Wende".
Zur Situation der Vertriebenen und Flüchtlinge Stellung zu nehmen und in den Organen der CDU mitzuarbeiten, nannte Schellhase als Hauptaufgaben der UdV, die auf Bundesebene Ost- und Mitteldeutsche Vereinigung (OMV) heißt. Die Vertreibung von 15 Millionen Menschen sei von Anfang an völkerrechtswidrig und ein Verstoß gegen das Potsdamer Abkommen gewesen.
In dem Streit um Erika Steinbach, die als Präsidentin des BdV auf einen Sitz im Rat der Bundesstiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" verzichten musste, habe Bundeskanzlerin Angela Merkel "ungeschickt und kurzsichtig" agiert, kritisierte der Kreisvorsitzende. Deshalb brauche sie sich über ein "Manifest gegen den Linkstrend" in der CDU nicht zu wundern, das kürzlich ehemalige CDU-Politiker und Publizisten unterzeichnet haben. Kritisiert wird darin unter anderem der mangelhafte Einsatz der CDU für die Erinnerung an die deutschen Opfer der Vertreibung. Trotz weitgehender Übereinstimmung mit Schellhase warnte der ebenfalls als Gast anwesende Vorsitzende des CDU Stadtverbandes Gießen, Klaus Peter Möller, vor einer "Gefahr der Abspaltung". In der momentanen Situation sei es eine große Herausforderung "Konservativismus und Heimatverbundenheit in moderner Form behutsam in das 21. Jahrhundert zu transportieren". Nach seinem detaillierten Bericht über Stellungnahmen, Pressemitteilungen, Leserbriefe und Veranstaltungen wurde Egbert Schellhase erneut zum Kreisvorsitzenden der UdV gewählt. Als Stellvertreter wurden Hans Dittrich und der nicht anwesende Heinz-Peter Wernert einstimmig wiedergewählt. Zu Beisitzern bestimmte die Versammlung Ernst Chodura, Bärbel Höpfner, Karin Kramer und Waldemar-Paul Zimmermann.
In einem Vortrag über seinen Geburtsort Grulich, das heutige Kraliky, schilderte Wilfried Schmied, welche Veränderungen er bei regelmäßigen Besuchen ab 1988 beobachtet hat. Die Anzahl der Beschäftigten in der Glühbirnenfirma Tesla sei etwa von 1000 auf 60 gesunken, parallel zu einem rasanten Rückgang der Einwohnerzahl. Aktuell setze die Region vor allem auf Tourismus.