23-Jährige erstochen: Streit um ständiges Computerspielen des Bruders als Motiv
26.03.2010 - GIESSEN
(lhe/jl). Im Streit um sein pausenloses Computerspielen soll der 19 Jahre alter Schüler seine vier Jahre ältere Schwester in der gemeinsamen Wohnung in Gießen erstochen haben. Gegen den Heranwachsenden wurde am Donnerstag Haftbefehl wegen Mordes erlassen, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Sie geht von Heimtücke und niedrigen Beweggründen aus. Hauptmotiv der Tat sei gewesen, dass der 19-Jährige ungestört im Internet spielen wollte. In seinen Vernehmungen gestand er, seine Schwester mit einem Messer Hals getötet zu haben. Wie die Obduktion der Leiche ergab, habe die Frau gleich zwei tödliche Messerstiche erlitten. Ein Stich habe die Lunge und einer den Hals der 23-Jährigen getroffen.
Zuletzt häufiger in der Schule gefehlt
Die 23-Jährige habe ihrem Bruder den Laptop weggenommen, weil dieser seit einem dreiviertel Jahr immer häufiger im Internet Rollenspiele gespielt und dafür oft in der Schule gefehlt habe. Um ungestört zu sein, soll sich der 19-Jährige auch in seinem Zimmer eingeschlossen haben. In dieser Zeit könnte in ihm die Absicht gereift sein, seine Schwester zu töten.
Die junge Frau sah demnach das Fachabitur ihres Bruders gefährdet, hatte Druck auf ihn ausgeübt und ihm letztlich den Computer abgenommen. Die Mutter der beiden lebt auf den Philippinen. Der Vater wohnt zwar in Wetzlar, hatte aber der Staatsanwaltschaft zufolge keinen Kontakt mehr zu seinen Kindern.
23-Jährige als Vormund des Bruders
Die Geschwister wohnten zusammen im Hochparterre eines Mehrfamilienhauses. Die 23-Jährige sei für ihren Bruder eine Art Vormund gewesen. Zugleich habe sich eine ältere Schwester der beiden intensiv um den Heranwachsenden gekümmert, berichtete die Staatsanwaltschaft.
Der junge Mann stach seiner Schwester mindestens zweimal in den Hals. Tatwaffe war wahrscheinlich ein Haushaltsmesser, das sichergestellt wurde. Kurz vor Mittag muss die 23-Jährige in das Zimmer ihres Bruders gegangen sein, wo sich dieser hinter der Tür versteckt haben soll. Als sie eintrat, habe er seine Schwester angegriffen. Laut Obduktion ist dabei die Hauptschlagader getroffen worden, weshalb die 23-Jährige verblutete. Bei dem Angriff muss sich die junge Frau aber gewehrt haben, denn ihr Bruder verletzte sich mit dem Messer noch selbst an der Hand. Danach soll sich der Schüler zunächst zusammen mit seiner toten Schwester in seinem Zimmer eingeschlossen haben, zumal deren Freund zurückkam, dann die Wohnung aber wieder verließ, weil er seine Freundin nicht antraf.
Der 26-Jährige hatte die Leiche jedoch später in dem verschlossenen Zimmer der 23-Jährigen gefunden und die Polizei verständigt. Zuvor hatte er seine Freundin mehrere Stunden gesucht. Der Freund hatte einen Schlüssel zur Wohnung der Geschwister. Er hatte diese am Mittwochmorgen verlassen und war gegen Mittag nach einem Termin zurückgekehrt.
Geständnis abgelegt
Da sowohl die Zimmertür seiner Freundin, als auch die ihres Bruders verschlossen waren, fuhr der Mann zum Arbeitsplatz der 23-Jährigen. Die Frau war aber nicht bei der Arbeit erschienen. Ihr Freund suchte sie und kehrte schließlich am späten Nachmittag mit einem Bekannten in die Wohnung in der Ederstraße zurück. Der Kumpel hatte extra Werkzeug eingepackt und öffnete damit die Zimmertür der jungen Frau. Die Tote lag in einer Blutlache am Boden.
Der 26-Jährige verständigte die Polizei, die bis in die Nacht hinein in der Nachbarschaft und im Bekanntenkreis der Geschwister ermittelte. Der Bruder wurde bei Bekannten in der Umgebung von Gießen festgenommen. Der 19-Jährige legte ein Geständnis ab und sitzt jetzt in Jugendhaft.
Staatsanwaltschaft: 19-Jähriger vorher nicht auffällig
Der 26-Jährige und die Getötete hatten offenbar vor, in Kürze zusammenzuziehen und ihren Bruder bei sich aufzunehmen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war er zuvor nicht auffällig, galt als ruhiger und freundlicher junger Mann und brachte vor seiner Internetsucht auch offensichtlich gute schulische Leistungen.