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Experte spricht über "Mind-Doping"- "Psycho-Stimulanzien werden mehr verschrieben"

18.04.2010 - GIESSEN

(jax). "Für 25 Prozent der amerikanischen Studenten gehören Mittel wie Ritalin zur Prüfungsvorbereitung." Die Schlagzeile schockiert. Solche Aussagen kursieren in letzter Zeit immer öfter in den Medien. Auch deutsche Schüler und Studenten scheinen zu dopen. Offenbar greifen eine ganze Reihe Jugendlicher und junger Erwachsener immer öfter zu Medikamenten, um Stress zu bewältigen und in Prüfungen besser abzuschneiden. Jochen Romisch, Leiter des Jugendbildungswerkes der Stadt, begrüßte als Experten Stephan Schleim im Jokus, der über das Thema "Mind-Doping" referierte.

Der Forscher und Wissenschaftsjournalist der Fakultät für Verhaltens- und Sozialwissenschaften und Psychologie der Uni Groningen in den Niederlanden beschäftigt sich schon seit Langem mit dem vermeintlichen Trend zum "Gehirndoping". Das zeigt sich schon bei der Betitelung. Leicht negativ gefärbt steht "Mind- Doping", genau wie die positiveren Varianten "Cognitive- Enhancement" oder "Neuro-Enhancement", für die Intervention zur Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit oder des psychischen Wohlbefindens. Dies kann zum Beispiel durch Medikamente, die in der Medizin eigentlich für Menschen mit Schlafstörungserkrankungen entwickelt werden, erreicht werden. Bei gesunden Menschen heißt das dann Gehirndoping. Der verringerte Schlafdrang und die gesteigerte Motivation sind häufige Wirkungsweisen solcher Medikamente. Sie tragen zur Leistungssteigerung bei. "Man kann zwar nur, was man sowieso schon kann - das aber dafür länger und besser", erklärt Stephan Schleim den Zuhörern. Eine Wirkung, die Schülern und Studenten in Prüfungsphasen womöglich gelegen komme. Der Experte sieht die Studien, die dies belegen, jedoch sehr kritisch. Ungenauigkeiten, wenig Teilnehmer und einseitige Befragungen erschwerten die genaue Bestimmung der wirklichen Verbreitung solcher Medikamente zum "Mind-Doping". Seiner Meinung nach lägen die wirklichen Zahlen wahrscheinlich niedriger. Es gäbe also keinen Grund zur Panik, doch eine Beschäftigung mit diesem Thema sei nötig, da sich doch erste Zeichen einer Tendenz erkennen ließen. So habe sich etwa die Verschreibungsdosis solcher Psycho-Stimulanzien in den letzten Jahren um ein Vielfaches erhöht. Ein Trend, der nicht zuletzt auch ein Ergebnis des zunehmenden gesellschaftlichen Leistungsdrucks sei.

Schleim warnte eindringlich davor, soziale Problematiken mit pharmakologischen Lösungen zu bekämpfen. Anstatt das Problem ausschließlich bei sich selbst zu suchen, sollte man öfter auch einmal sein Umfeld in Frage stellen und sich die Freiheit nehmen, nicht immer hundertprozentig funktionieren zu wollen. Denn Medikamente bergen auch immer Nebenwirkungen. Die wichtige Frage: Ist es das wirklich wert? Sein Plädoyer: Ein Blick etwas weg vom Gehirn zur Gesellschaft.

Jochen Romisch (r.) begrüßt den Referenten Stephan Schleim im Jokus. Bild: jaxVergrößern

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