Initiative fordert Fahrplanänderungen
19.05.2010 - GIESSEN
Pendler suchen Mitstreiter - RMV Vorschläge unterbreitet
(Äat). Seit dem letzten Fahrplanwechsel ist alles schlechter geworden, viel schlechter. Die Pendler, die den Bahnverkehr nutzen, müssen vor allem an den Knotenpunkten Marburg, Gießen, Friedberg und Bad Vilbel in vielen Fällen lange Wartezeiten akzeptieren. Besonders schlimm aber ist für Nutzer der Bahn, dass die Züge kaum noch im Takt fahren, man also immer wieder genau auf den Fahrplan schauen muss, wann denn nun wirklich ein Zug fährt. Das soll sich ändern. Deshalb haben sie eine Initiative zur Verbesserung des Bahnfahrplans in Mittelhessen gegründet mit Namen „Main-Weser-Bahn im Takt“.
Bei einer Pressekonferenz berichteten Jürgen Lerch, Dr. Franz Grolig und Michael Rückl, dass sie eine möglichst große Zahl an Fahrgästen zusammenbekommen wollen, um so Druck ausüben zu können auf die Politik und natürlich den Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV). Das Potenzial dafür ist groß, denn es gibt rund 40 000 Pendler in Mittelhessen. Alle drei Männer sitzen in kommunalen Parlamenten, wissen, wie schwierig es ist, in dieser Frage Bewegung in die kommunalpolitische Szene zu bringen. Klar ist die Ursache der zahlreichen Umstellungen, denn der Intercity Hamburg-Karlsruhe verkehrt seit Dezember um eine halbe Stunde zeitversetzt. Dem mussten alle lokalen Fahrpläne angepasst werden und genau das ist mit großen Problemen durch erheblichen Zeitverlust, aber auch die ständig wechselnden Abfahrtszeiten verbunden.
Dabei kommen die Gießener noch ganz gut weg, denn die Züge nach Frankfurt verkehren ab dort relativ regelmäßig. Ein Fahrgast aus Lollar aber muss da schon erhebliche Ärgernisse hinnehmen, wenn er etwa im Gießener Bahnhof bei bestimmten Zügen einen Aufenthalt von 18 Minuten zu akzeptieren hat. Generell sind es die Anschlüsse, die nicht mehr richtig funktionieren, wodurch stark verlängerte Fahrtzeiten entstehen. Da gibt es zum Beispiel den Mittelhessen-Express in einer schnellen und langsamen Version. Letztere hält auf allen Stationen zwischen Gießen und Friedberg. Dadurch lassen sich Abfahrtszeiten sehr schlecht merken. Anschlusszüge oder Busse werden nicht mehr erreicht. Ähnliches gilt für den Regionalexpress von Siegen nach Frankfurt. Im Grunde ist die Anschlusssituation in allen Knotenpunkt höchst unbefriedigend.
Doch die Initiative kritisiert nicht nur, sondern sie hat auch Verbesserungsvorschläge entwickelt und dem RMV vorgelegt. Eine Reaktion gab es noch nicht. Das aber wundert die drei Pendler nicht, denn sie wissen, dass Fahrplanänderungen nicht selten einen Vorlauf von 18 Monaten brauchen. Für sie ist völlig unverständlich, dass die Straßen Richtung Süden immer stärker ausgebaut werden, in Sachen Bahn aber nichts geschieht, von einem dritten oder vierten Gleis in Richtung Frankfurt gar nicht zu reden: Rückl: „Im Wettstreit der Mobilitätssysteme fällt der umweltfreundliche Nahverkehr in Mittelhessen gegenüber der Straße immer mehr zurück.“ Außerdem wiegele der RMV ab, erklärt, dass die Beschwerden gegenüber der Vergangenheit nicht zugenommen hätten. Zahlen, wie viele Personen wieder auf den Privatwagen umgestiegen sind, aber gibt es nicht.
Kernpunkt der Verbesserungsvorschläge ist die Erlaubnis, mit dem RMV-Fahrschein den IC benutzen zu dürfen. Dann werde es möglich, den „langsamen“ Mittelhessen-Express ganz zu streichen. Es könne außerdem wieder im Takt gefahren werden. Im Gegenzug sollten Regionalbahnen nach Friedberg im Halbstundentakt verkehren. Außerdem sollte es nicht passieren, dass Bad Nauheim und Butzbach in den Hauptverkehrszeiten fast komplett vom schnellen Verkehr der Regionalexpresse abgekoppelt sind.