Zwei Männer stehen für Küche des Dach-Cafés: Dieter Koch und Daniel Cornelius
30.07.2010 - GIESSEN
Von Oliver Keßler
Das ist die Kernkompetenz von Daniel Cornelius. „Was wir hier kulinarisch machen, ist sehr umfassend“, erläutert der 34-Jährige. Ein Blick in die Küche lässt die Bandbreite erahnen, die er anbieten könnte: Pizza-Ofen, Nudelkocher, Sushi-Bereich. Auf eine Karte oder Stilrichtung mag er sich nicht festnageln lassen. Das elfköpfige Team wird die erste Speisekarte gemeinsam erarbeiten. Fest stehen bislang die Eckpfeiler, einer Küchen-Präambel gleich. Es wird jahreszeitlich gekocht, es gibt keine Tiefkühl-Produkte, keine Convenience-Lebensmittel und keine Pommes. „Wenn ich Kartoffelpüree haben will“, erklärt er, „dann werden Kartoffeln geschält und durch ein Sieb gestrichen.“ Dann schmecke es gut. Oder Nudeln, die werden auch selbst gemacht, je nachdem, welche gerade benötigt werden: „Ich mache für eine Lasagne eine andere Pasta als für Tagliatelle.“
Daniel Cornelius kennt noch nicht viel von Gießen, aber eines ist ihm früh klar gewesen. Der Eröffnung des Dach-Cafés wird in der Öffentlichkeit mit großer Neugier, aber auch einer entsprechenden Erwartungshaltung, entgegengeblickt. Das heißt: Viele werden kommen, um auf der Panoramaterrasse im 14. Stock herauszufinden, wie ihnen das neue Dach-Café schmeckt, aber eben vor allem auch, wie es schmeckt. „Ich koche lecker und schön, so wie ich und alle Köche gerne essen gehen“, umschreibt er sein Handwerk. Dabei hat er nach eigenem Bekunden keine Auszeichnungen von Kritikern im Sinn: „Wir wollen keine Sterne und keine Punkte.“ Dann wird Daniel Cornelius leidenschaftlich, wenn er von „Vollgaskochen“ spricht oder von dem Koch, der letztlich nur für sich koche. Oder: „Je besser man kocht, desto mehr persönliches Engagement bringt man mit.“ In jedem Teller, der bei ihm herausgehe, stecke Herzblut. „Essen macht glücklich“, sagt er.
Die Biografie des gebürtigen Kasselers ist nicht geradlinig, was sie interessant macht. Eine gastronomische Großtat war die Organisation der Mahlzeiten für 200 000 Besucher des Kirchentages in Berlin. Für 30 000 Frühstücke war er selbst verantwortlich. Auf einen Schlag fast halb Gießen am Morgen abfüttern: eine imposante Vorstellung. Sieben Jahre liegt das zurück. „Ich habe immer gerne und viel mit Essen zu tun gehabt“, sagt er. Zu Pfadfinderzeiten sei das schon der Fall gewesen. Zwischenzeitlich hatte er bei einem Arbeitgeber in drei verschiedenen Restaurants den Beruf von der Pieke auf gelernt, mit mediteraner, französischer und asiatischer Küche. Später ging er auf Wanderschaft, Erfahrungen sammeln, die er mit nach Gießen gebracht hat.
Was ist für ihn ein gutes Essen? „Ein schönes Stück Fleisch oder Fisch, gut gebraten, mit einer gut zubereiteten Beilage“, antwortet er und zeugt dabei von einer Geradlinigkeit, die auf seine Küche schließen lässt. Dazu kommt ein hoher Anspruch an die Zutaten. „Wenn es geht“, erklärt Daniel Cornelius, „machen wir auch unsere Marmeladen selber.“ Wie im vergangenen Sommer, als er selbst Löwenzahn pflückte, Blüte für Blüte herauslas und daraus Gelee kochte. Viel Arbeit, aber auch viel Geschmack. Die Zeit bis zur Eröffnung nutzt er unter anderem, um Kontakte aufzubauen. „Ein Koch ist immer Netzwerker“, sagt er. Wo gibt es gute Milch, wo gutes Lammfleisch oder schmackhaften Käse? Auch wenn die eigentliche Arbeit noch nicht begonnen hat, bleibe ihm kaum Zeit, die Stadt näher kennenzulernen. „Soll ich Ihnen meinen Lieblingsblick zeigen?“, fragt er unvermittelt, geht ein paar Meter auf ein Panoramafenster zu und deutet nach Westen: „Diese Hügel mit dem Fernsehturm da hinten gefallen mir sehr gut.“
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