In Paulusgemeinde entsteht Familienzentrum mit Krabbelgruppe für zehn Kinder
04.09.2010 - GIESSEN
(fod). In der evangelischen Paulusgemeinde wird eifrig gewerkelt. Denn am 1. November sollen die Räumlichkeiten des neuen Familienzentrums, das unter dem Kirchengebäude und dem Gemeindesaal in der Egerländer Straße entsteht, mitsamt der Innenausstattung fertig sein. Auf einer Fläche von circa 350 Quadratmetern werden dort unter anderem erstmals eine Krabbelgruppe für zehn Kinder von einem bis drei Jahren sowie eine fünfte Gruppe der Kindertagesstätte mit 20 Kindern ein Zuhause finden, was die Gesamtzahl der Tagesplätze auf 92 erhöht.
In erster Linie aber soll das Familienzentrum drei Aufgaben erfüllen, nämlich „sozial, interkulturell und generationenverbindend“ sein, wie Pfarrer Helmut Schütz ausführt. „Wir leben hier in einem Stadtteil mit einer Menge Unterschiede: Es gibt kinderreiche Familien, solche, die auf Hartz IV angewiesen sind und die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund liegt über dem städtischen Durchschnitt.“
Beratungsangebote vor Ort seien auch deshalb sehr wichtig, da „nur die wenigsten von ihnen mobil sind“, wie Christoph von Weyhe, Vorsitzender des Kirchenvorstands, hinzufügt. In Zusammenarbeit mit der Kita „Edith Stein“ in der Schottstraße möchte man künftig ein ansprechendes Programm auf die Beine stellen. Geplant sind zum Beispiel Bildungs- und Bewegungsangebote wie Eltern-Kind-Spiele am Nachmittag, Babysitterkurse oder ein Elterncafé, in dem man sich über Kindererziehung und andere Themen austauschen kann. Laut Helmut Schütz sei man zudem in Gesprächen mit einer Hebamme und einem Ergotherapeuten, um beispielsweise Schwangerschafts- und Stillkurse anbieten zu können. „Das Familienzentrum wird sich letztlich an den Bedarfen der Familien ausrichten. Es muss wachsen und sich entwickeln“, sagt Iris Cölinski, Leiterin der Kindertagesstätte.
Aus Erfahrung weiß sie, dass gerade bei jungen Eltern eine große Nachfrage nach Informationen besteht. So möchte man niederschwellige Angebote schaffen, in Erziehungsfragen beratend zur Seite stehen und auch dabei helfen, Babysitter oder Leih-Omas zu vermitteln. Dabei wird ausreichend Platz für Eigeninitiative gelassen, wie Helmut Schütz erläutert, „die vorhandenen Kräfte sollen genutzt werden, um sich gegenseitig zu unterstützten“. Dazu gehörte auch der Umzug des Gemeindebüros, das in einen kleineren Raum wechselt, sowie die Räumung des Jugendbereichs, wo vormals unter anderem eine Tischtennisplatte stand. Auf der großen Fläche im Untergeschoss wurden neue Wände eingezogen, die künftig zwei Räume für Kinder und einen für Erwachsene schaffen. Laut Christoph von Weyhe betragen die Umbaukosten insgesamt rund 300 000 Euro, wovon etwa 60 000 Euro von der Gemeinde beigesteuert werden. Die restlichen Finanzmittel stammen von der Landeskirche und aus einem Bund-Länder-Programm. Während die Stadt zu 100 Prozent die Betriebskosten von Kindertagesstätte und Krabbelgruppe übernimmt. Da nun 30 Kinder mehr zu betreuen sind, wird das Personal im Erziehungsbereich um sechs Personen mit stundenweise verschieden ausgestatteten Stellen aufgestockt, zu denen dann auch noch die Jahrespraktikanten hinzukommen, wie Iris Cölinski erläutert. Außerdem wird eine weitere Hauswirtschaftskraft für zehn Wochenstunden eingestellt, da außer dem Sanitärbereich auch eine zweite Küche entsteht. Wenngleich das Essen für die Kita weiterhin von auswärts angeliefert wird. Morgen findet unter dem Motto „Der wachsende Bau“ ab 11.15 Uhr in der Pauluskirche ein Dankgottesdienst statt. Eine Bilder-Schau ist bereits um 10.45 Uhr.