Auch freundliche Hunde streiten sich
18.01.2011 - GIESSEN
Vierter Teil der Serie, die sich mit der Beziehung von Mensch und Hund beschäftigt - Tipps von Astrid Paparone
(fm). „Es ist unbedingt notwendig, sich mit dem Hundeverhalten intensiver zu beschäftigen, damit es nicht zu Missverständnissen kommt“, sagt Dipl. Biol. und Hundeexpertin Astrid Paparone, die im Gießener Tierheim für schwierige Hunde zuständig ist. Im vierten Teil unserer Serie, die sich mit der Beziehung von Mensch und Hund beschäftigt, geht sie auf die Frage ein, wie und weshalb Hunde ein aggressives Verhalten zeigen.
„Auch freundliche Hunde streiten sich“, sagt Paparone. „Ein gewisses aggressives Verhalten ist durchaus normal.“ Dabei gehe es dem jeweiligen Vierbeiner darum, sich selbst und seine eigenen Interessen zu schützen und zu verteidigen. Gleichgültig, ob es sich um Futter, Spielzeug oder sein Territorium handelt.
Jeder Hund möchte die Dinge, die er gerne hätte, auch bekommen oder etwas tun, was ihm gefällt. Da aber jeder Ernstkampf die Gefahr von Verletzungen einschließt, ist aggressive Kommunikation in Form von Drohverhalten ein Mittel, die Dinge zu regeln. Dies kann schon durch unauffällige Signale wie einen kurzen fixierenden Blick angedeutet werden. Zum Beispiel, wenn er nicht möchte, dass ein anderer Hund seinem Liegeplatz zu nahe kommt.
„Hunde können nicht sprechen“, sagt die Expertin. „Sie zeigen über ihre Körpersprache und ihr Ausdrucksverhalten, was ihnen nicht gefällt.“ Drohverhalten äußert sich auch durch Anstarren, Zähne zeigen oder Knurren. Bis hin zum Ernstkampf, bei dem es häufig Verletzungen gibt.
Rüden zeigen oft ein ausgeprägtes Imponiergehabe, mit dem sie einen anderen Hund von der eigenen Stärke überzeugen wollen. Etwa durch hoch aufgerichtete Körperhaltung, hohe Schwanzstellung, steife, langsame Bewegungen oder Markieren.
Aus dem anfänglichen Imponiergehabe kann ein lautstarker „Kommentkampf“ werden, der an ein Ritterturnier erinnert. „Dabei ist gegenseitiges Verletzen nicht geplant.“ In der Regel geht es um gegenseitiges Anrempeln und den Versuch, den anderen umzuwerfen. Wichtig: „Diese Art der Auseinandersetzung beherrschen Hunde nur, wenn sie als junge Tiere genügend Gelegenheit hatten, dieses Verhalten mit ihren Artgenossen zu trainieren.“ Die erfahrene Hundetrainerin weiß, dass bei Hunden Angst ein häufiger Grund für aggressives Verhalten ist. Kleine Hunde gelten oft als Kläffer, weil sie nur als Schoßhunde gehalten werden und von klein auf keine Gelegenheit hatten Sozialverhalten zu üben. „Sie haben Angst vor ihren eigenen Artgenossen.“
Astrid Paparones zentrale Botschaft lautet: „Je besser sozialisiert ein Hund ist, desto ungezwungener und entspannter kann er mit anderen Hunden umgehen.“ Unter bekannten Hunden reichen oft unauffällige Signale um sich zu verständigen, zum Beispiel ein nachdrücklicher Blick oder ein kurzes Über-die-Lippe-Lecken.
Was viele nicht wissen. „Herrchen und Frauchen können die Entwicklung von aggressivem Verhalten gegenüber anderen Hunden ungewollt verstärken.“ Denn je aufgeregter, lauter und wütender Hundebesitzer reagieren, desto heftiger reagiert der Hund. So gesehen, kann die Einmischung eines Menschen in einer bestimmten Situation leicht zur Entgleisung führen.