Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Professoren der JLU: Studentin erstattet Anzeige wegen angeblich zweifelhafter Angebote - Klage vor Verwaltungsgericht
21.02.2012 - GIESSEN
Von Heidrun Helwig
Die Vorwürfe der Studentin sind schwerwiegend. Denn im Zusammenhang mit der Bewertung ihres Staatsexamens sollen Professoren der Justus-Liebig-Universität (JLU) der 27-Jährigen zweifelhafte Angebote gemacht haben. Deshalb ermittelt die Staatsanwaltschaft nun wegen versuchter Nötigung gegen vier Hochschullehrer. „Es ist eine Strafanzeige eingegangen“, bestätigte Oberstaatsanwältin Ute Sehlbach-Schellenberg, Pressesprecherin der Gießener Strafverfolgungsbehörde, gestern im Gespräch mit dem Anzeiger. Und fügte hinzu: „Wir prüfen den Sachverhalt.“ Weitere Angaben machte die Juristin nicht. Angesichts der Anschuldigungen der Studentin scheint indes sicher, dass es sich dabei um einen sexuellen Hintergrund handelt.
Und fest steht auch, dass sich die junge Frau bei der Bewertung ihrer Examensleistungen ungerecht behandelt fühlt. Denn beim Gießener Verwaltungsgericht sind gleich zwei Verfahren anhängig. Per Eilverfahren nämlich möchte die Studentin ihre Zulassung zur mündlichen Examensprüfung erreichen. Das nämlich wurde ihr wegen der bisherigen schlechten Prüfungsergebnisse verwehrt, erläuterte Pressesprecherin Sabine Dörr. Zudem hat die Studentin eine Klage eingereicht. Darin werde argumentiert, dass ihre Examenshausarbeit zu schlecht bewertet worden sei. Per Verwaltungsgerichtsurteil möchte die 27-Jährige eine höhere Benotung erstreiten. Über das Eilverfahren werde in den nächsten Wochen entschieden, betonte Sabine Dörr.
Zu den laufenden Verfahren am Verwaltungsgericht wollte die Universität gestern keine Stellung nehmen. „Die JLU trägt das ihr Mögliche zur Klärung der jeweiligen Sachverhalte bei“, teilte Pressesprecherin Caroline Link lediglich mit. Über die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hingegen war die Hochschule noch nicht informiert.