Eine Zeitreise zurück ins Jahr 1759
24.04.2010
Vorbereitungen für die Veranstaltung "250 Jahre Siebenjähriger Krieg" auf Burg Gleiberg laufen auf Hochtouren
WETTENBERG/BIEBERTAL/HEUCHELHEIM (cr). "Es gibt wohl keine passendere Kulisse für solch eine Veranstaltung", meinte Gerhard Schmidt, der für den Gleibergverein am Pressegespräch zur geplanten Veranstaltung "250 Jahre Siebenjähriger Krieg" teilnahm. Am 12. September, dem Tag des offenen Denkmals, soll sich dem interessierten Besucher nämlich ein weiterer Einblick in die bewegte Geschichte des Gleiberger Landes eröffnen. Seit September laufen bereits die Gespräche und Planungen für die Veranstaltung.
Es war das vierte Jahr des Siebenjährigen Krieges (1756 bis 1763), den Preußen am Ende erfolgreich gegen die Wiener Kaiserin Maria Theresia um die Provinz Schlesien führte, als vom 3. September 1759 an 47000 hannoversche, braunschweigische, hessische und englische Soldaten der Westarmee Friedrichs II. von Preußen unter dem Oberkommando des Herzogs Ferdinand von Braunschweig im Gleiberger Land eintrafen. Sie bauten Stellungen von Hermannstein bis Fronhausen - mit der Burg Gleiberg als Hauptquartier. Auf der anderen Lahnseite hatten sich zwischen Münchholzhausen und Staufenberg - mit dem Hauptquartier in Annerod - 55000 Mann Reichstruppen und Franzosen unter dem Kommando des Duc de Broglie festgesetzt.
Die Franzosen hatten Anfang August bei Minden eine wichtige Schlacht im Schlesienkrieg verloren und sich dann bis hinter die Lahn zurückgezogen. Zum Gefecht um Gießen kam es jedoch nicht, da zwischen Frankreich und England Bemühungen um einen Frieden anliefen. Die Alliierten im Gleiberger Land blieben dennoch mehr als 100 Tage und brauchten an Verpflegung jeden Tag etwa 75000 Pfund Brot, 50 Rinder und 1250 Zentner Gemüse. Dazu Futter für rund 11000 Pferde. Außerdem wurden zum Schanzenbau und für Lagerfeuer große Teile des örtlichen Baumbestandes abgeholzt. Das alles führte zu Hungersnot und Seuchen innerhalb des Gleiberger Landes.
Nach der jüngsten Sitzung des Organisationsteams auf Burg Gleiberg liegt nun ein attraktives Programm für die Veranstaltung vor. Am Sonntag, 12. September, um 10 Uhr findet in der Katharinenkirche in Krofdorf-Gleiberg zunächst ein Gottesdienst zum Gedenken an die Leiden der damaligen Bevölkerung statt. Im Anschluss beginnt ab 11 Uhr auf Burg Gleiberg eine Zeitreise zurück ins Jahr 1759. In der Unterburg wird von der Gesellschaft für hessische Militär- und Zivilgeschichte verstärkt der Alltag der Soldaten dargestellt. Hier kann man sich anhand eines typischen Feldlagers einen Eindruck über das oft auch nicht einfache Soldatenleben verschaffen, aber auch den Soldaten beim Exerzieren oder bei einer Wachablösung zuschauen. "20 Darsteller werden zudem unterschiedliche Uniformen präsentieren und die verschiedenen Waffen wie Büchsen, Macheten oder Vorderlader erläutern", berichtete Martin Heller, der Vorsitzende der Gesellschaft für hessische Militär- und Zivilgeschichte.
Das Leben der Zivilbevölkerung wird vom Bürgerprojekt Gleiberg, dem Amateurtheater Sammelsurium und der Heimatstube Launsbach in Spielszenen aus dem Alltagsleben dargestellt. "Außerdem werden alte Handwerkskünste wie die des Schusters und Schmiedes vorgestellt", erklärte der Leiter der Programmgruppe, Ralf Volgmann. Von den Heimat- und Geschichtsvereinen Krofdorf-Gleiberg, Rodheim-Bieber, der Heimatstube Launsbach und der Heimatvereinigung Wißmar wird eine umfassende Ausstellung zum Thema Siebenjähriger Krieg gezeigt. Außerdem kann man im Kartenzelt die geschichtliche Einordnung und die weltpolitische Bedeutung des Krieges nachvollziehen. Insgesamt beteiligen sich an der Veranstaltung rund 100 Mitwirkende aus den unterschiedlichsten Vereinen des Gleiberger Landes, die sich von den Besuchern durch historische Kostüme unterscheiden werden.