Von Imme Rieger
„Schon in jungen Jahren hatte ich Spaß an Mode, die alltagstauglich ist und dennoch immer etwas Besonderes hat“, erzählt Silke Schmidt. Im Oktober 2009 machte sich die 43-jährige Leihgesternerin selbstständig und eröffnete einen kleinen Laden in der Konrad-Adenauer-Straße 8 im Lindener Stadtzentrum: „Lex-One - Modevergnügen in Größe 42 - 60“ heißt ihre Damenboutique, die schicke und nicht alltägliche Mode „von Molligen für Mollige“ anbietet. Ein Online-Shop ist angeschlossen.
Der Frühling ist da, welche Frau sehnt sich jetzt nicht nach ein paar neuen, flotten Kleidungsstücken? Doch für diejenigen, die nicht mit Modelmaßen gesegnet sind, wird das Einkaufen nicht selten zur frustrierenden Shopping-Tour, denn gerade in großen Größen fehle den Kollektionen oft der entscheidende Pep und Charme. Das will Silke Schmidt ändern: „Mein Modeangebot ist so vielfältig wie die Frauen, die es tragen. Hier findet man beispielsweise ausgefallene Lagenlook-Mode von Kekoo und französischen Chic unter anderem von Clin. Der Großhändler, von dem ich die französische Ware beziehe, hat zurzeit das Monopol zum Vertrieb in Deutschland. Daher werden diese schönen Stücke garantiert nicht an jeder Ecke zu haben sein“, erzählt die modebegeisterte Existenzgründerin, die die Mode-Probleme molliger Damen aus eigener Erfahrung kennt und nun auf ihre Weise Abhilfe schaffen möchte.
Handtaschen und Modeschmuck
Bei ihr findet man modische, qualitativ hochwertige Teile zu günstigen Preisen. Shirts und Tuniken, die auch mal asymmetrisch oder zipfelig geschnitten sind, mit gezackten Halsausschnitten und dazu passenden Ketten reizen oder durch Raffungen und verzierte Taschen dem Auge etwas bieten. Man findet Cardigans, die hinten länger geschnitten sind als vorne, Jeans mit Strass, Stoffhosen mit Raffungen und modisch geschickt platzierten Materialmixeinsätzen.
Die kommende warme Saison lässt bereits grüßen mit Teilen in den aktuellen Farben Flieder, Türkis, Gelb oder dem klassischen Schwarz und Weiß. „ Fehlen dürfen natürlich nicht einige modische Handtaschen sowie Modeschmuck“, betont die Inhaberin. „In meiner kleinen Boutique ist es wichtig, dass die Kundin sich wohl fühlt. Viele Kundinnen nehmen sich auch viel Zeit, um die für sie optimale Kleidung zu finden“, weiß die Expertin für große Größen. Große Begeisterung ruft auch die gut dimensionierte Umkleidekabine hervor.
Ein langer Weg in die Selbstständigkeit
Den Wunsch nach Selbstständigkeit verspürte Silke Schmidt bereits vor 20 Jahren das erste Mal. Doch es war ein langer Weg, bis ihr ganz persönlicher beruflicher Traum in Erfüllung ging, denn zunächst machte die Mutter eines heute elfjährigen Sohnes ganz unspektakulär und solide nach dem Abitur eine Ausbildung zur Bürokauffrau. In diesem Beruf arbeitete sie auch bis 2006, dann kümmerte sie sich um ihr Kind und um ihre kranken Eltern. In dieser Zeit reifte die Idee, sich mit einem Modegeschäft selbständig zu machen: „Ich interessierte mich schon immer für Mode. Das konnte sich in Farben, Materialmix beim Zusammenstellen, nicht ganz klassischen Schnitten oder Details wie Stickereien oder Strassbesätzen darstellen“, erinnert sich die Geschäftsfrau. „Als die Seidenmalerei ihren Höhepunkt im Hobbybereich hatte, habe ich meine Accessoires passend selbst gemacht.“
Autodidaktisch erlernte sie schon in den 90er Jahren viele Techniken und trug oft ein modisches Tuch mit passenden Ohrringen und Ketten zu ihren Outfits. „Als die eigenen Schränke zu voll wurden, wurden die Accessoires nach eigenen Vorstellungen und Entwürfen angefertigt und im Nebenerwerb erfolgreich verkauft. Dies war sozusagen die erste und auch gleich erfolgreiche Berührung mit dem Markt über den eigenen Bedarf hinaus“, erinnert sich die sympathische Leihgesternerin. „Jede Zeit wird von einem Frauenbild geprägt, und in unserer Zeit entspricht das Frauenbild schlanken Frauen. Fakt ist aber, dass die Zahl der Frauen, die nicht diesen Modelmaßen genügen, tendenziell steigend ist“, weiß Silke Schmidt.
Vertrieb über private Mode-Treffen geplant
Das eigene Wissen und das Wissen von anderen Frauen, deren persönliche Modelmaße über Größe 42 liegen, brachten sie Mitte der 90er Jahre zum ersten „Schnupperkurs“ auf einer Modemesse. Die Kollektionen entsprachen jedoch nicht dem, was sie sich vorstellte, und auch die Kontakte zu Händlern waren nicht das, was sie suchte. So wurde das Thema erst einmal zur Seite gelegt. Doch der Wunsch nach Selbstständigkeit blieb, der Wunsch mit Mode in großen Größen zu arbeiten wurde stärker. Im Jahr 2008 begann sie erneut die Suche nach Händlern für Damenoberbekleidung in den Größen 42 bis 60 - und wurde allmählich fündig.
Um ihre Mode noch mehr Frauen zugänglich zu machen, folgt dem Ladengeschäft und dem Online-Shop in diesem Frühjahr der Vertrieb über Mode-Treffen im privaten Umfeld. „Dabei treffen sich einige Damen bei einer Gastgeberin, und eine Beraterin stellt ihnen einige Teile aus dem Sortiment vor. Die Frauen können in Ruhe mit ihren Freundinnen zu Hause anprobieren, sich mit ihnen austauschen und beraten", erklärt Silke Schmidt das Prinzip. Weitere Informationen gibt es unter Tel.: 06403-9795844 und im Internet: www.lex-one.de.