Zu den CD-Entdeckungen dieses Frühjahrs gehört ohne Zweifel die Einspielung der drei großen Violinkonzerte von Mozart durch den 1985 in Salzburg geborenen Geiger Thomas Albertus Irnberger. Der junge Virtuose hat nicht nur die Mozart´sche Musik mit der Muttermilch eingesogen, sondern ist auch ungeheuer fleißiger Interpret. So liegen von ihm beim österreichischen Label Gramola bereits elf Alben mit mit den verschiedensten Violinwerken vor, die den Hörer aufhorchen lassen. Irnberger wandelt auf den Pfaden der historischen Aufführungspraxis und gelangt bei Mozart zu einem wunderbar klaren, transparten Klangbild. Er spielt mal samtweich, mal süffig-saftig und trifft den Mozartton genau. Und das gemeinsame Musizieren mit dem "Spirit of Europe" aus Melk kommt so jugendfrisch und unbeschwert daher, dass das schlechte Frühlingswetter beim Hören im Nu vergessen ist.
Ungekünstelte Leichtigkeit, Vitalität und enorme Musikalität verbinden sich in den vor Virtuosität nur so funkelnden Darbietungen der polnischen Schwestern Anna und Ines Walachowski. Mit fast einem Dutzend CD-Veröffentlichungen haben sie sich als Klavierduo längst einen Namen gemacht und bezaubern ihre Zuhörer ein ums andere Mal durch pianistische Delikatesse, Eleganz und Sensibilität. Ihr Empfindungsreichtum scheint unerschöpflich, und das Zusammenspiel ist von einer geradezu traumhaften Sicherheit und Homogenität im Klang, wie es perfekter nicht sein könnte. Bei den "Ungarischen Tänzen" von Johannes Brahms blitzen zupackendes Temperament und zündende Rhythmik unter ihren flinken Händen auf. Beschwingt kommen Rachmaninows Transkriptionen der Nussknacker-Suite von Peter Tschaikowsky daher; farben- und nuancenreich leuchtet die verträumt-zarte Dolly-Suite op. 56 des Franzosen Gabriel Fauré auf. Und als eine echte Entdeckung für den Konzertsaal leben die sechs "Contredances" des polnischen Nationalkomponisten Stanislaw Miniuszko in ungemein federnder Interpretation auf.
Der Cellist Klaus-Dieter Brandt sitzt stilistisch in allen Sätteln sicher. Er verfügt nicht nur über umfassende Fertigkeiten in ästhetischer und spieltechnischer Hinsicht, sondern spürt unablässig die Besonderheiten der Streichinstrumente in Barock, Klassik und Romantik auf. Auch setzt er sich leidenschaftlich für den Rückbau und die Restaurierung von Streichinstrumenten in den angenommenen ursprünglichen Zustand. Seine Entdeckerfreuden und Abenteuerlust lassen sich auch an dieser Auswahl ablesen, mit der er auf zwei vergessene Komponisten der Klassik aufmerksam macht. Dabei hat Carl Friedrich Abel (1723 bis 1787) ein überaus reizendes Cellokonzert hinterlassen, in dem Geist der Mozartzeit allgegenwärtig ist. Frisch und frei klingt Brandts Spiel auch in den heiteren, tänzerischen Kompositionen von Christian Ernst Graf (1723 bis 1804), die dem Interpreten in spieltechnischer Hinsicht eine ganze Menge abverlangen. Seine Wiedergabe ist von einem stets warmen, beseelten Celloton durchdrungen. Nicht vergessen werden sollte das der historischen Aufführungspraxis verpflichtete Orchester L´Arpa Festante, das die Kompositionen in luftiger, sehr transparanter Musizierweise zum Leben erweckt.Thomas Schmitz-Albohn