Epilepsie und die verbissene Suche nach einem Ausbildungsplatz
12.03.2010
Seit über 16 Jahren leide ich an Epilepsie. Nun geht meine Schulzeit zu Ende - eine Zeit, in der ich viel Unverständnis und vielen Vorurteilen begegnete, und eine Zeit der Suche nach einer Ausbildungsstelle.
Meine Krankheit bei den Bewerbungen verheimlichen oder besser offen darüber schreiben? Diese Frage habe ich mir oft gestellt.
Viele Unternehmen zahlen lieber eine Ausgleichsabgabe, anstatt einen Menschen mit Handicap einzustellen.
Mit Epilepsie frühzeitig eine Ausbildung planen, dies las ich immer wieder in Epilepsiezeitschriften und Epilepsieforen. So stellte ich mich Ende der 9. Klasse im Sommer 2008 erstmals bei der Agentur für Arbeit zur Berufsberatung vor. Nach einigen Tests sowie einer ärztlichen und psychologischen Untersuchung wusste ich nicht mehr als vorher.
Das war´s dann, Ausbildungsbetriebe, die mich - mit Epilepsie - einstellen, konnte mir die Agentur für Arbeit nicht wirklich nennen.
Das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden, kam immer wieder auf.
Ich konzentrierte mich dann erst mal auf meinen mittleren Bildungsabschluss, den ich im Sommer 2009 in der Tasche hatte. Da mir Bildung niemand nehmen kann, meldete ich mich für die Höhere Handelsschule im Bereich Wirtschaft und Verwaltung an der FFS an, die ich seit August 2009 besuche.
Nun war es Zeit anzugreifen. "Dieser Weg" (von Xavier Naidoo) ist schon seit einiger Zeit mein Motto.
Alle mir bekannten Internetseiten und Tageszeitungen durchsuchte ich nach interessanten Stellenangeboten.
Bei Ausbildungsstellenangeboten mit dem Zusatz "bei gleicher Eignung werden behinderte Bewerber bevorzugt behandelt", gab ich meine Krankheit an, bei allen anderen Bewerbungen verschwieg ich sie, aus Angst vor Vorurteilen.
Schrieb ich eine Bewerbung, war im Vorfeld immer abzuklären, ob der Ausbildungsbetrieb mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen war.
Kaum hatte ich die ersten Bewerbungen verschickt, folgten auch schon Einladungen zu Eignungstests. Sehr oft kam ich im ersten Auswahlverfahren weiter, sodass Vorstellungsgespräche folgten (die meisten Tests und Gespräche hatte ich im öffentlichen Dienst).
Über das Internet habe ich mich auf jeden Eignungstest vorbereitet sowie vor jedem Vorstellungsgespräch mich auf der Homepage des jeweiligen Unternehmens informiert. Mit einem erfahrenen Personalleiter probte ich Vorstellungsgespräche. Nichts wollte ich unversucht lassen.
Absagen sah ich als neue Herausforderungen an. Bis Anfang Dezember 2009 hatte ich über 60 Bewerbungen verschickt etwa 25 Eignungstests und 16 Vorstellungsgespräche hinter mir. Jeder Eignungstest, jedes Vorstellungsgespräch stärkte mein Selbstbewusstsein.
Hinzu kamen auch noch Klausuren, auf die ich mich vorbereiten musste. Manchmal stieß ich fast an meine Grenze.
Am 23.12.2009 gegen 9.00 Uhr kam ein Anruf - mir wurde der ersehnte Ausbildungsplatz angeboten.
Heiligabend erhielt ich die schriftliche Zusage - ein Weihnachtsgeschenk, dass durch nichts zu übertreffen war.
Nun hatte ich wieder ein Etappenziel erreicht.
Ein weiteres Ausbildungsangebot erhielt ich im Januar 2010, das ich ablehnte.
Im 2. Schulhalbjahr kann ich mich wieder voll auf die Schule konzentrieren. Mein Ziel - einen guten Abschluss zu erreichen.
Mit diesem Beitrag möchte ich allen Menschen mit und ohne Handicap Mut machen, für ihre Ziele zu kämpfen und diese nie aus den Augen zu verlieren.
Durch den Sport, den ich treibe, habe ich gelernt, dass das Spiel erst verloren ist, wenn der letzte Ballwechsel das Spiel beendet hat.
Mareike Kammer, Kim Laura Gerhard, 11H2, Friedrich-Feld-Schule