"Dein Pferd ist dein Spiegel,der deine guten und schlechten Launen unverfälscht widergibt." Das Kind sitzt vertrauensvoll auf dem Pferderücken und lächelt glücklich. Legt sich dann ein Stück nach vorne auf den Pferdehals, drückt das Gesicht in die dichte Mähne und flüstert: "Du bist mein bester Freund!" Hier übernimmt das Pferd die Rolle des besten Freundes/ der besten Freundin und des Therapeuten.
Die Reittherapie hat das Ziel, basierend auf psychologisch-therapeutischen Ansätzen, eine Interaktion zwischen Kind und Pferd aufzubauen. Dabei werden spezielle Aktivitäten am und um das Pferd, sowie das Pferd selbst therapeutisch eingesetzt, um Erkrankungen und individuelles Fehlverhalten zu mildern oder zu heilen. Das Kind soll die Möglichkeit erhalten, angleitet durch den Reittherapeuten, seine Stärken zu erkennen und weiter auszubauen. Durch diese Stabilität, die vor allem das Pferd vermittelt, können eigene Probleme positiver gesehen und leichter bewältigt werden.
Die Reitpädagogik richtet sich vorallem an Kinder und Jugendliche, sie basiert auf pädagogischen und erlebnisorientierten Konzepten, bei denen Kinder und Jugendliche auf spielerische Art und Weise und ganz ohne Leistungsdruck den richtigen Umgang mit dem Pferd und das Reiten erlernen.
Anhand verschiedener Übungsfelder lernen sie außerdem, ihre Stärken und Schwächen zu erkennen und werden ganzheitlich in ihrer Entwicklung gefördert. Grundlegend geht es in beiden Sparten um die Wiederentdeckung der Lebensfreude, Körperbewustsein und Entspannung, die innere und äußere Balance, Ängste zu überwinden und Kompetenzen zu erweitern, verschiedene Bereiche zu fördern und eigene Fähigkeiten und Stärken zu entdecken. In Leihgestern wird vom Therapeutischen Reitverein Mittelhessen e.V. unter dem Motto: "Alles Weh ist Heimweh", für etwa traumatisierte Kinder und Jugendliche in Gruppen- und Einzelstunden, das therapeutische Reiten angeboten. Diese Therapien sind vor allem so erfolgreich, weil das Pferd, wie der Mensch, ein soziales Wesen ist und überaus empfindsam und sensibel für Stimmungen: So spürt das Pferd genau in welcher seelischen Verfassung sich der Reiter befindet und kann darauf reagieren.
Sie wirken persönlichkeitsstärkend und bieten die Möglichkeit der persönlichen Identifikation und Kommunikation. Außerdem hat das Pferd einen gut entwickelten Beschützerinstinkt und ist offen gegenüber Menschen.
Bereits Hildegard von Bingen hat das besondere Wesen der Pferde erkannt und wie folgt charakterisiert: "Das Pferd ist mehr warm als kalt. Ihm ist eine gute Natur zu eigen und es besitzt eine größere Stärke, als es selber weiß. Es hat immer das Verlangen, vorwärts zu gehen, und es frisst reine Nahrung."
Dadurch wird das Pferd zu einem nahezu perfekten Therapeuten.
Rahel Tami Vogel, Landgraf Ludwigs Gymnasium / Klasse: 9d