Sportfunktionäre gehen in Offensive – Kritik am Standort Miller Hall
13.03.2010 - GIESSEN
Von Rüdiger Dittrich und Hans-Ulrich Winter
Aktuell für Müllers und Mohrs Vorstoß ist die allgegenwärtige Diskussion um Landesgartenschau und den Blau-Weiß-Sportplatz. „Da spricht der Sport endlich mit einer Stimme“, freut sich Mohr, dass die Solidariät mit dem engagierten Stadtverein nicht bröckelt. Auch hier gebe es „eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie man die Blau-Weißen an ihrem Standort belassen kann“, sagt Müller, der bei den zuständigen Stellen zeitig eine „Umwidmung der Gelder“ beantragt hatte. „Der Kunstrasen, der jetzt an der Miller Hall gebaut wird, hätte in der Nähe der Theodor-Litt-Halle seinen Zweck wesentlich besser erfüllt“, sagt der 65-Jährige. Blau-Weiß hätte seinen Standort erhalten können, Theo-Litt- über Pestalozzi- bis zur Landgraf-Ludwig-Schule wären im Einzugsgebiet, um ihren Sportunterricht dort abzuhalten. Die Freie TSG könnte ebenfalls partizipieren. Nicht zu vernachlässigender Nebeneffekt: Auf einem Kunstrasen wäre die gerade noch mit dem Integrationspreis ausgezeichnete Jugendarbeit der Blau-Weißen noch besser voranzutreiben als auf dem knallharten Rotascheplatz. „Aber nein, es muss ja die Miller Hall sein“, sagt Müller.
Was aber haben die Sportfunktionäre gegen einen schönen Kunstrasen im Norden Gießens? „Es kostet letztlich zuviel Geld, Steuergeld, es ist viel weniger zentral als beispielsweise in der Ringallee, wo zudem mehr Schulen angesiedelt sind. Zudem haben sich die Politiker offenbar keine Gedanken über Pflege und Folgekosten gemacht“, weiß Müller als MTV-Vorsitzender wovon er spricht. An der Miller Hall müsse die Infrastruktur komplett neu geschaffen werden, zudem sei es von städtischer Seite notwendig, die Platzpflege zu organisieren und regelmäßig durchzuführen.
„Wie wir vom MTV her sehr genau wissen, bedarf ein Kunstrasen ähnlich intensiver Pflege wie ein Naturrasen. Wenn nun sich täglich Vereine abwechseln, fühlt sich sicher keiner zuständig.“ Und Mohr ergänzt: „Der Platz ist dann ruckzuck hinüber.“ Einen weiteren Aspekt bringt der Kreisfußballwart, der auch Jugendtrainer bei seinem Stammverein TSV Allendorf/Lahn ist, zudem ins Spiel: „Klar würden wir auch mal die Kinder in vier, fünf Autos packen und dann da hochfahren zum Training. Aber ist das im Sinne des Erfinders? Ein Platz relativ weit draußen, wo dann alle möglichen Vereine abwechselnd mit ihren Autos anrücken, um hinzukommen? Umweltfreundlich ist das auch nicht gerade.“ Aber dafür könne ja dann die „Blümchenschau“ herhalten, wie Müller süffisant formuliert. Was ihn auf den nächsten Punkt bringt: „Weder Henry noch ich sind gegen eine Landesgartenschau. Warum aber ein Sportplatz darin nicht integrierbar sein soll, das kann keiner erklären. Ich habe auch Planer gesprochen, das sind innovative und kreative Leute, die hätten das hinbekommen.“ Und merkt an: „Den Planern wurden offenbar falsche Vorgaben gemacht. Vielleicht ist es ja gewollt, dass Blau-Weiß da weg soll.“
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