Von Thomas Suer
Neuer Trainer William Masso kennt die Klasse - Sturm und Abwehr stark - Erfahrung fehlt
BIRKLAR. Eines steht schon mal fest: Die SG Birklar wird in dieser Saison wehrlos den Anschluss verlieren. Es gibt keine Chance, daran etwas zu ändern. Aber nur, was die ewige Gruppenliga-Tabelle anbelangt. Dort werden die Mannen aus dem kleinen Licher Ortsteil als Zweiter an Boden gegenüber dem FC Cleeberg einbüßen. Tausendmal wichtiger als diese Randstatistik ist, dass die Birklarer mit dem Sprung in die Verbandsliga eines neues, sehr reizvolles Kapitel in ihrer Vereinsgeschichte aufschlagen. Ein neues Kapitel wird aber nicht nur in punkto Ligazugehörigkeit, sondern auch in Sachen Trainer geschrieben. Nach 14 Jahren unter Achim Mohr übernimmt nun mit William Masso ein Mann das Steuerrad, der einen sanften Übergang garantiert.
Masso schnürte zum Ende seiner aktiven Laufbahn drei Jahre die Schuhe unter Mohr, vertritt die Philosophie seines Vorgängers und hat dem sogar voraus, dass er Hessens zweithöchste Spielklasse aus seiner Zeit als Coach beim FC TuBa Pohlheim kennt. Damals ging es trotz großen Aufwands und einiger Investitionen gleich wieder bergab, wovon sich TuBa seither nie mehr richtig erholt hat. „Das ist natürlich eine Herausforderung, es müssen sich einige Dinge verändern. Aber wir haben uns das erarbeitet und wollen es nun auch probieren“, weiß der 39-Jährige aus Erfahrung um die Schwere der Aufgabe, jedoch überwiegt trotzdem der sportliche Ehrgeiz, eine Etage höher mithalten zu wollen. Blind vor Ehrgeiz ist bei der SG gleichwohl niemand, so dass bei der Planung der Spielzeit weiter die Vernunft waltete. „Wie heißt es so schön: Geld gewinnt nicht immer, machbar ist damit allein nicht unbedingt alles. Wir haben nicht die finanziellen Möglichkeiten, und bevor ich einen Hochkaräter hole, nehme ich lieber vier junge Spieler, die bei gestandenen Teams vielleicht eher nicht zum Zug kommen würden. Wir geben ihnen die Gelegenheit, sich zu etablieren.“
Wie nicht anders zu erwarten setzt Birklar wie bis dato neben talentierten Nachwuchstalenten auf unterklassige Akteure. So baut Masso in der Vorwärtsbewegung unter anderem auf Jochen Heinemann, den gefühlten tausendfachen Torschützen der Kreisliga A Alsfeld, der bei der SG Ruppertsburg/Wetterfeld immer für 30 Treffer oder mehr pro Runde gut war. „Er weiß, wo die Kiste steht, muss sich aber an das höhere Tempo gewöhnen“, so Masso, der mit Michael Döhring von der SG Bessingen/Ettingshausen eine weitere Neuverpflichtung begrüßt, die in der A-Liga jüngst 25 Mal ins Schwarze traf. Hinzu kommen vom VfB 1900 aus der Jugend der Dominik Trivilino für den Angriff und Pascal Rehnelt für die Außenbahn sowie Defensivmann Jan Koch, der unter Stefan Hassler bereits ordentlich Verbandsliga-Luft geschnuppert hat.
Insgesamt ist Masso trotz des Abgangs von Goalgetter Sergej Maro zum Gießener Traditionsklub mit den vorhandenen Alternativen im Offensivbereich („nach vorne sind wir gut besetzt“) ebenso zufrieden wie mit der Besetzung der Hintermannschaft („in der Innen- und Außenverteidigung passt es“). Wo es in iedem Fall noch hakt, ist das Mittelfeld, noch zumal dem 39-Jährigen mit Sven Döring, der zum SC Waldgirmes abgewandert ist, eine wichtige Säule weggebrochen ist. Zudem macht Masso einen gewissen Mangel an so genannten Leaderqualitäten aus, was angesichts seiner jungen Truppe wenig verwundert: „Ich habe mich dieser Tage mal hingesetzt und das Durchschnittsalter ausgerechnet. Rausgekommen sind dabei 22,4 Jahre. Wir haben den Vorteil einer gut funktionierenden, harmonischen Mannschaft, aber es fehlt uns an Führungsspielern. In der letzten Saison war ich ja selbst noch dabei und konnte, wenn nötig, das Kommando übernehmen.“